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Zwischen den Jahren

Das waren noch Zeiten in denen es Schulferien für mich gab. Zwischen den Jahren frei und genug Zeit, um sich intensivst mit den Weihnachtsgeschenken zu befassen. So gab es einmal ein Riesenpuzzle, das mir unter den Baum gelegt worden war und an welchem ich mich mit Muttern bäuchlings auf dem Wohnzimmerläufer liegend versuchte. Währenddessen lief im Fernsehen der ‚Kurier des Zaren’. Eifrig gingen wir dabei die Vernichtung der Mon Chérie Packung an, die ihr ihr Chef geschenkt hatte. In gutem mütterlichen Glauben, dass es schon ginge, teilten wir: sie trank vereint mit etwas Schokolade den ersten Teil und ich aß den Rest. Ich weiß nicht mehr genau wie alt ich war aber jung genug, um den Alkohol in den mir verblieben Kirschen sehr wohl zu merken. Am Ende waren wir beide recht lustig beieinander.

Heute ist es anders, so erwachsen eben. Aktuell erzähle ich mir, dass die Tage zwischen den Tagen ja wirklich nette Arbeitstage sind, weil sonst kaum jemand arbeitet. Ich bin auch gar nicht neidisch, wenn ich die Anderen sehe, die ihren Urlaub damit verschleudern, in der Stadt ungeliebte Weihnachtsgeschenke umzutauschen. Es ist doch viel schöner sich fleißig mit den psychischen Seelenverknotungen zu befassen, die zu dieser Zeit noch verstärkter an meine Bürotür klopfen oder die Zeit zu nutzen, um einfach den Schreibtisch zu befrieden.

Dieses Jahr steht alles unter dem Stern „Beziehungen, wie sie nicht laufen sollten“.  Zwei Männer im gleichen Alter kommen mir dabei in den Sinn. Beide scheinen gerade das Bedürfnis zu entwickeln, kurz vor Jahresende noch mal groß aufräumen zu wollen.

Der Eine ist am Boden, weil seine Freundin ihn derzeit auf Distanz hält, weil ihr Ex-Freund, den sie selbst zu einem solchen gemacht hat, sich nun neu verliebt hat. Naja schon blöd, dass sie nebeneinander wohnen und die bisherige intensive sexfreie Freundschaft mit gemeinsam kochen und Tatort gucken ausfällt. Stattdessen ist sie häufiger alleine, wird nicht mehr umgarnt und die Geräusche des Liebesspiels, die durch die Wände schallen, beglücken sie wenig. Der Mann mir gegenüber schwankt zwischen „Schieß sie in den Wind“, „geb ihr Zeit“ und „ich hab Sehnsucht.“ Letzteres zu sagen fällt natürlich aus, weil „Ich kann ihr doch nicht sagen, dass ich Sehnsucht habe, dann fühl ich mich nicht mehr als Mann.“ Bei mir denke ich noch so was wie, dann sei halt auch einer, sag ihr wo es lang geht und was du willst, als er sich verständnisvoll darüber äußert, dass sie nun wohl die Trennung durchlebt, die sie selbst vor drei Jahren ausgelöst hat. Haaalloo? Ich meine ja .. aber … das Schlimme ist, dass aus solchem Material Eskalationen entstehen. Die immerzu verständnisvollen Männer, die irgendwann mit Getöse aus dem Quark kommen, wenn sie es einfach nicht mehr aushalten. Kann manchmal unschön enden, wie wir alle wissen.

Der andere Mann ist verheiratet, zwei Kinder, eines davon ein Jahr alt. Er ist arbeitslos, hat keine Ausbildung und steuert rasant in die Hartzer Regionen. Dieser verliebte sich nun in eine 10 Jahre jüngere Frau, die vaterlos bei Muttern lebt und noch eine Ausbildung in einer Bäckerei macht. Dort lernte man sich auch kennen, hätte er mal lieber nur das Brot gekauft.

Da reicht es ja nicht, dass man nun seiner Frau reinen Wein einschenken muss, um ehrenvolles Trennungs-Fairplay zu betreiben. Das Ganze bekommt doch erst dadurch die richtige Würze, dass die neue Liebe sich so gleich mit einer Leibesfrucht ausstatten ließ, die in ca. 7 Monaten die Lebensbühne betritt. Welch guter Plan, keinen zu haben. Und mal so unter uns: Frauen, die gehäkelte Didl-Überzieher für das Gemächt des Liebsten an diesen verschenken, dazu ein Herzchenkissen mit ‚Ich liebe dich’ darauf, dass geht doch mal gar nicht.

Aber nun jedem das Seine wie der Engländer so schön sagt „this is not my cup of tea.“

Da fällt mir ein, dass allein bei Twitter sehr auffällig zu verfolgen war, dass in diesem Jahr mehrere Leute mit disharmonischen Familienzusammenkünften zu kämpfen hatten. Vielleicht stand ja das diesjährige Weihnachten unter einer besonders schwierigen Sternenkonstellation. Müsste man mal die esoterischen oder astrologischen Menschenkinder befragen.

Ich finde es reicht für heute an derartigen Geschichten und so lehne ich mich zurück, genieße meinen Kaffee und bekämpfe die Erkältung weiter, die mir Weihnachten dieses Jahr geschenkt hat.

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