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Kennt ihr diese Momente, wo sich vor lauter fassungslosem Staunen das Sprachzentrum eures Gehirns ausschaltet und ihr in der Folge nichts anderes tun möchtet als Anderen Schmerzen zufügen zu wollen?
Am Ende werdet ihr als vernunftbegabter Mensch auch dies nicht tun, weil ihr wisst, dass auch das nicht zum größeren Verständnis bei eurem Gegenüber führen würde und eure eigene Befriedigung ohnehin nur sehr perifär vorhalten würde.
Sicher denkt ihr bereits, was redet sie da?
Ich werde es kurz in aufbereiteter Form präsentieren:
Der vormals große Bruder befindet sich mitten im Wahlkampf. Das die USA einiges an Bigotterie zu bieten hat, ist nicht neu. Liest man die ein oder andere republikanische Äußerung kann es einem jedoch nur schlecht werden.
So sagte Todd Akin – der Senats-Kandidat der Republikaner für den Staat Missouri – in der letzten Woche: Victims of ‘Legitimate Rape’ don’t get pregnant
‘Wie das?’, fragt Ihr euch erstaunt? Ganz einfach. Das ist nämlich so: Frauen die vergewaltigt werden, haben eine natürliche körperliche Abwehrreaktion, die eine Schwangerschaft verhindert. Werden sie also schwanger, kann es sich nicht um eine wirkliche Vergewaltigung gehandelt haben. In der Folge kann das Argument natürlich nicht für Abtreibungen herangezogen werden. Letztlich sollte man ja auch immer den Täter bestrafen und nicht das kleine unschuldige Wesen im Bauch der Mutter, die vielleicht nicht ganz freiwilligen Sex hatte, aber mein Gott Vergewaltigung geht anders. Man spricht in diesen Kreisen von “forcible rape”, das wäre dann die mit Gewaltnuancen. Eine Definition, die zwar veraltet ist aber vom FBI verwendet wird. m(

Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hat sich in seinem Artikel “Legitimes Befremden” ebenfalls dem Ausdruck der “legitimate rape” gewidmet. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Todd Akin hiermit nicht unterscheiden möchte, ob eine Vergewaltigung nur vorgetäuscht behauptet wurde, um eine Abtreibung zu ermöglichen.

Wer von „legitimate rape“ spricht, meint damit die Art von Vergewaltigung, wie sie in traditionellen Gesellschaften und Rechtssystemen verboten war und ist: Eine Vergewaltigung, bei der ein Mann eine ihm fremde, „sittlich“ bekleidete Frau überfällt und mit physischer, Spuren hinterlassender Gewalt zum Geschlechtsverkehr zwingt obwohl die Frau sich mit aller Kraft physisch wehrt und verbal deutlich macht, dass sie den Geschlechtsverkehr nicht will.

Nur das ist für Menschen wie Akin — das meint er mit legitimate — eine „Vergewaltigung im rechtlichen Sinne“.

Wer glaubt, das sei schon alles gewesen, der irrt.
Todd ist nämlich nicht alleine in der republikanischen Antiabtreibungs-Sandkiste. Der ehemalige Gouverneur von Arkansas Mike Huckabee sprang seinem Kumpel mit einem neuen Förmchen zur Seite, indem er sagte: ‘Horrible’ rapes created some extraordinary people.
Was genau soll denn aus ihnen werden? Säuglinge mit zwei Köpfen, angeborenen Hörnern oder einem angeboren Branding in Form eines “R”s auf der Stirn?
Geht es nach den republikanischen Grundzügen, dürfen Sie bitte nie vergessen: Ad 1 Abtreibung ist nie eine Lösung. Ad 2 ‘God chose to bless’ women with pregnancies from rape, d. H. Gott hat entschieden Frauen mit Schwangerschaften zu segnen die bei einer Vergewaltigung entstanden sind, also tötet man es nicht. Das zumindest sagt Frau Barnes gegenüber der NYT “at that point, if God has chosen to bless this person with a life, you don’t kill it.”

Was bitte soll man dazu noch sagen? Das Schlimme dabei ist, dass ist nicht nur ein vereinzelter Spinner, dort sind derer viele. So viele, dass sie sich in einer Partei zusammenrotten und unter dem Mantel des Christentums Gottes Wort verbreiten und für sich in Anspruch nehmen, dieses auch zu leben.

Das Thema Abtreibungen ist dabei nicht der einzige Bereich in dem sie wüten. In den Schulen in Kentucky hatten sich die Republikaner insofern durchgesetzt, dass die Evolutionstheorie nicht gelehrt wird. Sie wird lediglich am Rande als existente, unbewiesene Theorie erwähnt. Nun haben sie aber feststellen müssen, dass im übrigen Land in den standardisierten Bewerbungsprüfungen für die Colleges das Thema Evolution abgefragt wird und zwar in einer Art und Weise, dass man vermuten könnte, dass da mehr als nur gerüchteweise Verlautbarungen stecken. Hui, dass ist nun auch blöd, irgendwie und so überraschend obendrein.

Sollte ich jemals die Chance haben, so werde ich dieses Arschlochkind sein, das den anderen Beiden in der Sandkiste die Schaufel auf den Kopf haut. Ist doch nur Spaß. Bis dahin schließe ich mich Fefes Worten an:

America, Fuck Yeah!

flattr this!
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1 Kommentar auf “Von legitimen Vergewaltigungen wird man nicht schwanger.”

  1. Andrea sagt:

    Als ich das gestern las, hab ich vor Wut fast in die Tischkante gebissen.
    Noch schlimmer ist nur, daß das kein bedauernswertes Einzelschicksal ist, sondern da etliche Landsleute dran glauben.
    Naja, wen wunderts, wenn man Krankenversicherungen für Teufelswerk hält, kein Bier kaufen darf, aber Schußwaffen usw.
    Ein wunderschönes Land, tolle Autobauer, aber ansonsten spinnen sie, die Amis!