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…ist Anlass für meinen Blogbeitrag. Der darin enthaltene Link führt zu Hintergrundinformationen, die 140 Zeichen bei Weitem überschreiten würden.

Dass es in den USA die Todesstrafe gibt, ist nichts Neues. Ebenso gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass schwarze Straftäter eher hingerichtet werden als weiße und arme eher als reiche. Es ist eine Ungerechtigkeit die gen Himmel schreit. In meinen Augen ist selbst für Befürworter der Todesstrafe nicht hinnehmbar, dass derart mit zweierlei Maß gemessen wird. Geht es den Befürwortern doch um Sühne und Rache der begangenen Taten. Die Taten unterscheiden sich in ihrer Grausamkeit sicherlich nicht so sehr, wie in der Fülle des Geldbeutels der Täter.
Persönlich bin ich sehr froh, dass es hierzulande keine Todesstrafe mehr gibt. Selbst die Verankerung derselben in der Hessischen Verfassung ist vor dem Strafgesetzbuch und der Bundesverfassung gegenstandslos. Zum Glück!

Doch zurück zu dem aktuellen Fall in den USA. Amnesty International ruft auf ihrer Seite und über Twitter dazu auf, die Aktion zu unterstützen, die sie eingeleitet haben, um die Hinrichtung von Brandon Rhode zu verhindern. Der Artikel ist überwiegend in englischer Sprache aber ich denke, einen kurzen Abriss bekomme ich hin.

Brandon Rhode ist heute 31 Jahre alt. Er wurde in Mississippi geboren. Seine Mutter war erst 15 und hatte die ersten fünf Monate ihre Schwangerschaft gar nicht bemerkt. Während dieser Zeit hatte sie Alkohol und Drogen konsumiert. Als Brandon Rhode zur Welt kam, wurde bei ihm eine hirnorganische Störung diagnostiziert.

2010 untersuchte man ihn mit moderneren Methoden und stellte definitiv fest, dass bei ihm eine so genannte „Fetal Alcohol Spectrum Disorder” (kurz: FASD, auf deutsch: Fetales Alkoholsyndrom) vorlag. Seine Entwicklung war signifikant verzögert, was sich auf die alkoholbedingte Schädigung als Fötus zurückführen ließ.
Dr. Richard Adler sagte hierzu (frei übersetzt): „Was wir 2010 sicher wissen ist, dass das Gehirn eines gesunden Kindes bis in die frühen 20iger wächst, sich entwickelt und erwachsen wird. Während dieser Zeit werden die exekutiven Funktionen des Gehirns entwickelt – Impulskontrolle, Urteilsvermögen, Planungsfähigkeit, das Absehen von Konsequenzen, Empathie, sowie die Fähigkeit den eingeschlagenen Weg zu überdenken, sind die Areale des Gehirns, die sich als letztes entwickeln. Dadurch sind, selbst 18jährige Pubertierende – wie Brandon Rhode 1998 einer war – definitiv in diesen Gehirnarealen im Vergleich zu Erwachsenen beeinträchtigt. Hinzu kommt, dass die für FASD charakteristischen Defizite die pubertätsbedingten Beeinträchtigungen des Gehirns eher noch verschärfen.
… Das bedeutet, dass Brandon zum Zeitpunkt der Taten eigentlich auf einem wesentlich jüngeren Level funktionierte, als es seinem zeitlichen Alter entsprochen hätte.“

Hinzu kam, dass er mit 11 selbst zu Trinken begonnen hatte. Bereits mit 13 konsumierte er regelmäßig Drogen und Alkohol. Ebenfalls mit 13 wurde er nach einem Selbstmordversuch ins Krankenhaus eingewiesen. Mit 15 flog er von der Schule und wurde von der Mutter zu seinem drogen- und alkoholabhängigen, leiblichen Vater geschickt. Sein eigener Konsum stieg an und er finanzierte sich seine Sucht mit Einbruchsdiebstählen.

Brandon Rhode ist letztlich zum Tode verurteilt worden, weil er während eines solchen Einbruchdiebstahls einen Mann und dessen Kinder (11 und 15 Jahre alt) tötete. Er selbst war – zumindest auf dem Papier – 18 Jahre und neun Monate alt. Seither sitzt er im Gefängnis und aktuell im Todestrakt. Eigentlich war seine Exekution auf gestern terminiert. Der Oberste Gerichtshof von Georgia setzte die Hinrichtung jedoch aus, nachdem Brandon Rhode versucht hatte, sich das Leben zu nehmen.
Auf diese Umstände und warum jemand dann nicht hingerichtet werden kann, will ich jetzt hier nicht weiter eingehen. Es wird auf der Seite von Amnesty erklärt, falls es euch interessiert, mehr darüber zu lesen.
Ebenfalls findet man dort die Anschriften, Fax-Nummern und Emailadressen an die man die von Amnesty formulierten Forderungen richten kann, um die Aktion zu unterstützen.
Derzeit ist Fakt, dass die Hinrichtung auf den 24. September um 21 Uhr verschoben worden ist. Wer also die Aktion unterstützen möchte, muss es schnell tun.

*Update 26. September 2010
Die Hinrichtung wurde gestern erneut verschoben. Aktuell gibt es eine neue Frist bis Montag, 27. September um 16 Uhr.
Interessant ist, dass es eine Art Zeitfenster für die Durchführung der Hinrichtung zu geben scheint. Sollte er bis Dienstag mittags nicht hingerichtet worden sein, so muss zunächst eine erneute richterliche Anordnung für die Hinrichtung unterzeichnet werden, schreiben Atlanta News

Die Creative Loafing Atlanta widmet sich u.a. der Tatsache, dass ein Aufseher verbotenerweise Brandon Rhode die Rasierklinge gab, mit der dieser dann versuchte sich selbst zu töten.

CL is waiting to hear from the Georgia Department of Corrections to find out whether the violation of protocol is being investigated and whether any disciplinary action has been taken against the guard who supplied Rhode with the razor. Kammer refers to the incident as demonstrating “deliberate indifference” on the part of the guard. Says Kammer, “[The GDOC] is obviously pretty embarrassed about this. And I’m sure heads probably rolled — if they didn’t, that’s not a good thing.”1

Die erneute Verzögerung basierte u.a. auf der Intervention des Anwaltes Brian Kammer.2 Es bleibt wohl abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.

*Update 27. September 2010
Die Hinrichtung von Brandon Rhode wurde von der Gefängnisleitung für heute terminiert auf 19 Uhr Ortszeit, dass bedeutet MEZ: 1 Uhr am 28.09.2010. Amnesty rief noch einmal dazu auf, jetzt aktiv zu werden und sich an ihrer Online-Aktion zu beteiligen.

*Update 28. September 2010
Brandon Rhode ist tot.
Wie inzwischen auch Spon berichtet, hatte der Rechtsanwalt bis zum Schluss versucht, das Todesurteil aufzuheben. Letztlich lehnte der Oberste Gerichtshof der USA um 20 Uhr Ortszeit dieses Gesuch ab. Nach Injektion der Giftspritze wurde um 22.16 Uhr der Tod von Brandon Rhode festgestellt.

  1. Creative Loafing Atlanta “Prison guard supplied death row inmate with razor used in suicide attempt” []
  2. Creative Loafing Atlanta “GA Supreme Court grants Brandon Rhode second stay of execution” []
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2 Kommentare auf “Todesstrafe? Nein Danke! oder der Fall von Brandon Rhode”

  1. mshnx sagt:

    Schöner Beitrag vielen Dank dafür, finde es auf einer art und weiße sehr grausam die Todesstrafe, aber auf der anderen Seite verstehe ich die Angehörigen die darauf bestehen diesen Menschen sterben zu sehen. Ich denke nicht das die Aktion von Amnesty was bringt(leider). Gestern haben ja auch ziemlich viele versucht Teresa Lewis Leben zu retten, vergebens.

    Aufjedenfall ein sehr schöner Beitrag, werde öfter mich hier mal durchlesen.

  2. Laja sagt:

    Vielen Dank für die Rückmeldung!

    Es ist ganz sicher ein Thema, um das die Emotionen hochschlagen können, insbesondere auf Seiten der Opfer. Der Fall von Teresa war ja auch ähnlich dramatisch.
    Aber nun, ich bin eine Gegnerin davon Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Ich wünschte mir von denen die urteilen Objektivität und Weisheit. Selbst in Deutschland haben wir dann und wann unsere Schwierigkeiten uns auf die richterliche Unabhängigkeit verlassen zu können. Denn nicht nur der Richter ist Teil des Verfahrens, sondern eben auch viele andere Hände die ihre Finger mit im “Spiel” haben und manches Mal ihre ganz eigenen Interessen vertreten. In der Rolle des- oder derjenigen, der dann ein wirklich gerechtes Urteil sprechen soll möchte ich nicht stecken. Genauso wenig kann ich mich aber – mit diesem Wissen im Hinterkopf – für eine Todesstrafe aussprechen.