Beiträge
Kommentare

Wie Netzpolitik.org berichtete, startet ab heute u.a. laut Bild.de eine neue Serie auf RTL II unter dem Titel: “Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder”
Kurzgesagt sollen mit fiktiven Profilen von minderjährigen Jungen und Mädchen Kindesmissbraucher in die Falle gelockt und überführt werden.
Aufgrund des gleichlautenden Aufmachers im aktuellen Stern und der Berichterstattung in der Bild, wird die Ausstrahlung der ersten Folge auf heute vorverlegt. Ursprünglich hatte man den Sendestart für den kommenden Montag geplant.

397px-stephanie_grafin_von_bismarck-schonhausen2Stephanie zu Guttenberg, Ehefrau des Bundesverteidigungsministers, unterstützt als Präsidentin von „Innocence in Danger“ das TV-Projekt. Ebenfalls mit von der Partie wird Herr Udo Nagel sein. Herr Nagel ist bekannt durch seine Funktionen als ehemaliger Innensenator und zuvor Polizeipräsident Hamburgs.
Als ich heute Morgen darüber las, war ich ebenso fassunglos wie wohl andere Leute auch.
In was für einer Gesellschaft leben wir? Medienwirksam werden Themen inszeniert, die Quote bringen. Menschen die zu Hause zur Primetime auf ihrem Sofa sitzen, die Hand vor den Mund schlagen und ausrufen “Oh Schatz, schau nur wie schrecklich!” Medieninkompetente Eltern, die die Gefahr nicht selbst bewerten können, unsicher sind und nun in noch größere Hysterie verfallen, wenn es um die Aktivität ihrer Kinder im Internet geht?
Das Alles verpackt unter dem Deckmantel “Aufklärung” und Opferschutz? Der neuzeitliche Pranger wird hierzu aus dem Sack geholt und stolz präsentiert.
Dass dabei letztlich die Opfer ebenso vor die Linse gezogen werden, wie die Täter – kann man ja vernachlässigen. Da schreibt die Frau eines Bundesministers ein Buch über Kindesmissbrauch1 (welches ich nicht gelesen habe aber die Rezensionen2 sind lesenswert) und scheint noch nie etwas von Post-/Retraumatisierungen gehört zu haben. Wie fühlt sich wohl ein Opfer, wenn es einen solchen Umgang mit dem Thema in unserer Gesellschaft erleben muss? Nicht jedes Opfer ist gleich, wie wir alle wissen. So gibt es eben auch die Menschen denen ein Heraustreten aus der Missbrauchssituation durch solch einen Umgang unmöglich gemacht wird. Das dies zu Folge hat, dass Täter nicht verfolgt werden, brauch ich eigentlich nicht zu erwähnen, oder doch? Achso stimmt ja, ist ja egal – Mut zu Lücke. Dafür haben wir ja den ein oder anderen “hängen sehen” und gleich das eigene Image poliert.
Denn: wie DWDL.de schreibt, ist das Ziel dieser Sendung ja schließlich auch eine Gesetzesänderung (!!)

…, damit nicht nur der tatsächliche Kindesmissbrauch sondern auch die unsittliche Annäherung über das Internet, das sogenannte Cyber-Grooming, unter Strafe gestellt werden kann.

Anstatt Medienkompentenz in Schulen verstärkt zu trainieren und auch Eltern in bildungsferneren Gebieten zugänglich zu machen, wird eine solche – mit Verlaub – ekelhafte Form genutzt, um in keinster Weise zur Verbesserung der Situation beizutragen.

Falls meine Worte zu zynisch oder zu emotional sind, bitte ich um Nachsicht. Übertreibung macht anschaulich und ich bin beim ersten Kaffee schon derart zur Höchstform aufgelaufen, dass das dann so endet.

  1. Amazon zu dem Titel: Schaut nicht weg! Was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen []
  2. Taz-Artikel von Diana Aust: “Guttenberg-Gattin gegen “Porno-Gesellschaft. Das Bild der Frau” []
flattr this!
|

Keine Kommentare möglich.