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Sind wir alle Spanner?

Es ist doch immer wieder verwunderlich, wie groß das Interesse an der sexuellen Ausrichtung derer ist, die in der Öffentlichkeit stehen. Wichtig ist nicht, was du tust, kannst oder welche Haltung du vertrittst, viel wichtiger ist, mit wem du wann ins Bett steigst.

Grundsätzlich wollen Fans ihren Stars und Sternchen nah sein. Indem sie so viel wie möglich über den Menschen wissen, der hinter dem Promi steckt, verstärkt sich das Gefühl näher dran zu sein und somit die Illusion. Alles gut und schön, die Boulevardpresse stillt ja unseren Hunger zur Genüge. Zugegeben, ich schließe mich da nicht aus – auch ich lese bei dem einen oder anderen Arztbesuch gerne mal in der Klatschpresse. Klatsch kann ja auch echt Spaß machen und dürfte so alt sein wie die menschliche Kommunikation ansich. Wie das Nachrichtenportal news.de vor einigen Monaten berichtete, kann Klatsch auch differenzierter bewertet werden. Anlass für diesen Bericht bot ein Buch, dass der Soziologe Christian Schuldt unter dem Titel „Klatsch! – Vom Geschwätz im Dorf zum Gezwitscher im Netz“ veröffentlicht hat.
Deutlich wird dabei, dass es durchaus gesunde Formen des Klatsches gibt. In angemessenem Umfang kann er beispielsweise am Arbeitsplatz Kollegen zusammenschweißen und damit die Produktivität erhöhen. Um nicht in den Bereich Mobbing abzugleiten, ist es wichtig, andere nicht zu stark und unsachlich zu diffamieren.
Doch ich schweife ab – zurück zu den Promis.

Bei aller Neugier, allem Spaß an Klatsch, gilt auch für unsere Promis, dass es Grenzen gibt. Sicherlich definiert die jeder für sich selbst. Eine davon hat „unsere Oslo-Lena“ bei der gestrigen Pressekonferenz gegenüber einer RTL-Reporterin eindrucksvoll demonstriert. Auf die Frage ob ihre Familie sie unterstütze antwortete sie zunächst mit einem langgezogenen „Nööööt“ und erklärte dann, dass sie Fragen nach ihrer Familie generell nicht beantworte. Stefan Niggemeier hat berichtet, und ich habe mir ein zufriedenes Schmunzeln über Lenas Reaktion ebenso wenig verkneifen können, wie ein Gefühl von Schadenfreude. Schadenfreude darüber, dass besagte RTL-Reporterin, trotz ihrer recht manipulativen Nachfrage einfach abschmierte.
Nun ist dieser Fall noch einer über den ich Schmunzeln kann wie sicherlich Viele mit mir.
Richte ich meinen Blick auf die derzeitige Presse um die Juristin Elena Kagan, die von US-Präsident Barack Obama als Kandidatin für den Obersten Gerichtshof ins Rennen geschickt wurde, verändert sich mein Blick und es schließt sich der Kreis zu meinem ersten Gedanken: Ist unsere Gesellschaft geprägt von Spannern?

Man könnte über die Wahrhaftigkeit der von Barack Obama abgegebene Erklärung streiten,

“Last year, he offered that one of his main criteria was “empathy” — a much-criticized standard that he has since refined to “a keen understanding of how the law affects the daily lives of the American people.”

Oder schlicht darüber ob Elena Kagan tatsächlich qualifiziert ist ein solches Amt zu übernehmen. Immerhin keine leichte Entscheidung, wenn man bedenkt, dass eine derartige Berufung auf Lebzeiten erfolgt. Vielzählige Entscheidungskriterien wären da denkbar. Anders bei Elena Kegan, über man sich die Köpfe heiß diskutiert, weil alle unsicher sind, ob sie nun eine Lesbe ist oder nicht. Ihre Ansichten, politische Orientierung oder ihre bisherigen Verdienste fallen da kurzerhand hinten runter.
Die Washington Post zitiert im gleichen Artikel Andrew Sullivan – Blogger von „The Daily Dish“ auf theatlantic.com –

“In a free society in the 21st Century, it is not illegitimate to ask,” wrote Daily Dish blogger Andrew Sullivan, who is gay and whose political ideology follows no orthodoxy. “And it is cowardly not to tell.”

Folglich wäre es also falsch sich nicht zu outen, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Flugs wird vermutet, man habe etwas zu verbergen. Ich frage mich, welche Spekulationen ich in einer solchen Situation erträglicher finden würde, die über meine sexuelle Identität, die Formen diese auszuleben und den möglichen Einfluss auf mein Amt oder eben das nicht öffentliche Outing.

Wir leben im 21. Jahrhundert, klar soweit. Für mich nicht nur eine Zeit der Transparenz, sondern auch eine Zeit in der man entscheiden darf, welche Bereiche des Lebens man öffentlich zur Schau stellen mag. Vielleicht sogar eine Zeit in der gerade die demonstrierte Abgrenzung besonderes wichtig ist. Ein Nein von unserer Oslo-Lena, ein Schweigen von Elena Kegan – who cares. Schauen wir doch mal auf das was wir gezeigt bekommen: Lena singt (hoffentlich gut) und Frau Kegan stellt sich ihrer Aufgabe und das sicherlich nicht vom Bett aus.

Da ich gerade merke wie viele Facetten dieses Thema noch hat, stoppe ich mal an dieser Stelle, sonst wird’s zu lang ;) Vielleicht regt es ja auch die Leser hier noch einmal zu dem ein odere anderen Gedanken an.

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