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Bereits vorgestern ging Empörung durch die Reihen, als die schwangere Familienministerin Kristina Schröder sich über ihre Schwangerschaft äußerte und dabei ihre Sorgen um ihre Zukunft verlautbarte. Es waren nicht nur die Frauen der Fritz Redaktion, die sie dadurch verärgerte. Allerorten waren diese Stimmen zu hören, insbesondere auf Twitter und Co. Su Holder hatte sich daraufhin in einem offenen Brief an die Familienministerin gewandt. Mit diesem Brief sprach sie Vielen aus der Seele und brachte die Kritik klar auf den Punkt. Heute hat nunmehr der Sender Fritz, über den Su Holder den Brief veröffentlicht hatte, ebendiesen offline genommen, nachzulesen auch beim Kraftfuttermischwerk. Im Google Cache ist er noch zu finden.

Also folgt nun mein kleiner Beitrag zu Datensicherung. Hier ist der gesamte Text:

Su Holder sagt der Familienministerin ihre Meinung!

Es ist ungefähr so, wie wenn der größte Klassenstreber, der immer nur Einsen schreibt, sagt: “Oh Gott, hoffentlich fall ich nicht durch”…

Familienministerin Kristina Schröder ist schwanger und sorgt sich um ihre Zukunft. Die Frauen der FritzRedaktion haben sich heute Morgen extrem darüber aufgeregt.

Su Holder mit einem offenen Wort an die schwangere Familienministerin:

Liebe Kristina Schröder,

ich freu mich eigentlich immer über Schwangerschaftsbotschaften, aber alle Zitate von Ihnen, die man heute lesen muss, rufen Ekel und Würgereflexe in mir hervor. Zum Beispiel: “Wir werden vor den gleichen Herausforderungen stehen wie viele andere Paare in Deutschland, bei denen beide beruflich sehr gefordert sind.”

Wie anmaßend, schamlos, unmoralisch, blind und bescheuert sind Sie eigentlich? Mit 16.529,50 Euro im Monat und einem garantierten, vergoldeten Betreuungsplatz in der 5 Sterne-Bundestags-Kita stehen Sie NICHT vor den gleichen Herausforderungen wie viele andere Paare in Deutschland.

Sie hoffen “Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen mit der Unterstützung ihrer Familien”… Erzählen Sie uns bitte nicht, dass Sie von Existenzängsten geplagt sich nachts wälzen und sorgen, ob das Geld für Windeln reichen wird, ob Sie problemlos ihre Arbeitsstelle zurück bekommen. Fragen Sie sich lieber, wer eigentlich vor kurzem das Elterngeld gekürzt hat.

Ich wünsche Ihnen Sodbrennen, Wasserbeine, Müdigkeit, Krampfadern und Hämorrhoiden – wenigstens körperlich gleiche Herausforderungen.

Und weil es manchmal schöner ist, es auch hören zu können, hier noch das Audio-File.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Update – 21. Januar 2011 um 18.30 Uhr
Radio Fritz antwortet auf die Löschung des Artikels folgendermaßen:

Warum wir den Brief von der Seite genommen haben

Liebe FritzFreunde,

wir haben heute den sogenannten Offenen Brief an die Familienministerin Kristina Schröder von der Website genommen. Viele von Euch haben diesen Artikel gelesen, viele haben ihn in unterschiedlicher Weise kommentiert. Warum also nehmen wir ihn von der Website?

Erstens erweckt der Artikel aus unserer Sicht mit der Formulierung “Offener Brief” sehr stark den Eindruck, als handele es sich hier um die Meinung der Redaktion. Das ist nicht der Fall. Es handelt sich um die Meinung eines Redaktionsmitglieds, mithin ist es ein – persönlicher – Kommentar. Dieser Kommentar verletzt, so sehen wir es, an einigen Stellen eindeutig die Persönlichkeitsrechte von Frau Schröder.

Wir haben nichts dagegen, dass sich Journalistinnen und Journalisten mit ihrer Meinung in Form eines klar gekennzeichneten Kommentars äußern, auch gern hart in der Sache – aber bitte immer fair zur Person.
Wir werden auch weiter Meinungen anbieten, Meinungen anhören und Meinungen diskutieren. Aber wir werden Verletzungen von Persönlichkeitsrechten nicht akzeptieren.

Stefan Warbeck, Programmchef

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7 Kommentare auf “Radio Fritz löscht den offenen Brief von Su Holder an die Familienministerin – (Update)”

  1. [...] Audio-File ist nach wie vor verfügbar. Update: Auch das Audio wurde mittlerweile gelöscht, aber Kaffeetexte hat es [...]

  2. [...] gestellt und weil das Netz so schön redundant ist, gibt es den gelöschten Originaltext dann hier, hier und [...]

  3. [...] der von Radio Fritz entfernte offene Brief an die schwangere Kristina Schröder ist trotzdem noch zu lesen; [...]

  4. Holger sagt:

    Ich glaube, die Ministerin ist hier selbst nur Opfer. Die damalige Frau Köhler war als junge, kinderlose, unverheiratete Frau ja alles andere als tauglich für das Familienministerium.
    Ich fürchte sowohl die Hochzeit, als auch die Schwangerschaft sind auf “Anraten” (um nicht zu sagen Drängen) irgendwelcher Berater passiert, die dann noch ein Image dazubasteln wollten, welches die Frau Schröder aussehen lassen sollte, wie eine Ehefrau und Mutter, wie jede Andere. So und das hat einfach nur nicht geklappt.
    Die macht sich sicherlich Sorgen wie jede andere Frau, was die Funktion und Aufgaben in der neuen Familienkonstellation angeht – ist ja doch anders, wenn man plötzlich so ein Kind mit in der Wohnung rumzuliegen hat – aber eben keine existenziellen Sorgen.

  5. Mrs. Tragedy sagt:

    Opfer? Also bitte!
    Es ist ja nicht so, dass sie sich nicht einen anderen Job hätte suchen können… oder? Zwang man das arme Mägdlein mit vorgehaltener AK47, das Amt der Familienministerin zu bekleiden? Man möge mir Naivität vorwerfen, jedoch hege ich daran schwere Zweifel.
    Wir alle müssen mit den Konsequenzen unseres Handelns leben – wenigstens davor ist auch unsere werte Frau Schröder nicht gefeit. Zudem wird sie dafür auch noch ausreichend finanziell entschädigt, so dass sie sich ausreichend weitere Berater leisten kann, die ihr nur die positiven Medienreaktionen vorlesen werden und ihr vom Wechselgeld Augenbinden und Ohropax mitbringen.
    Ganz davon abgesehen erwarte ich von Minister_Innen, sich unabhängig von Imageberatern und Küchenpsychologen etwas aufzubauen. Früher nannte man das “Fachkompetenz”…

    Von daher auch von mir: herzlichste Hämorrhoidenwünsche an Frau Schröder.

  6. [...] Und da ich solche Effekte als Teil der modernen Informationsfreiheit in jeder Form gutheiße, möchte ich hiermit ebenfalls Susanne Holder unterstützen. Einen Link zu ihrem kompletten Brief findet ihr oben, die Audio-Aufnahme gibt es hier. [...]

  7. Phonomatic sagt:

    Frau Schröders Rolle in der bundesdeutschen Politik ist derart fragwürdig, dass ich Sie bitten möchte so weiter zu machen. Soll das volk doch kuchen essen, wenn es kein brot mehr gibt.