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Ein Sonntagmorgen, die Nachrichten flattern mir via meinen allmorgendlichen Pressespiegel um die Ohren und ich bin gerade so satt. Aus für mich guten Gründen wollte ich mich bisher nicht in die Reihe derer einreihen und ebenfalls über den kirchlichen Missbrauchssegen der vergangenen Jahrzehnte schreiben. Aber nun kann auch ich mich nicht mehr halten.

Gerade gestern kam bei einem Abendessen mit Freunden das Thema auf, dass wir in unseren Gefilden kaum noch Menschen oder Institutionen haben, die Vorbildfunktionen erfüllen können. Beispielhaft kam uns der Rücktritt des Sumoringers Asashoryu in den Sinn. Einem mongolischen Volkshelden, der aus seinem vergleichbar geringfügigen Fehlverhalten die Konsequenzen zog und zurücktritt. Manche mögen vielleicht gedacht haben, eine Prügelei vor einem Nachtclub – ja und? Doch es passte für diesen Mann nicht zu seiner sonst mit seinem Sport einhergehenden Kultur und Haltung.
Schaut man sich unsere so genannten Vorbilder an, hätten wohl schon viele wegen ähnlicher Handlungen das Handtuch werfen müssen, aber zu gerne wird vergeben und vergessen. An erster Stelle steht, den Star zu schützen oder den sonstigen gesellschaftlichen Status aufrecht zu erhalten. So wird der Mensch mit seinen ach so menschlichen Fehlern zuweilen noch mehr gefeiert als zuvor.

Es war dann am gestrigen Abend naheliegend den Bogen auch zu „unserer“ Kirche zu schlagen.

Die Kirche ist eine Institution, die schon Jahrhunderte nicht nur den Glauben verbreitet, sondern viel Leid unter die Menschen brachte. Nein ich werde nun nicht die Hexenverfolgung und andere Nettigkeiten vertiefen. Schauen wir doch in unsere Gegenwart. Seit Wochen nun lesen wir über den sexuellen Missbrauch im kirchlichen Kontext. Missbrauch durch die Würdenträger, die Kindern und Familien moralische Werte vermitteln sollen, das Wort Gottes als Stütze verbreiten sollen haben massivste Traumatisierungen verursacht. Wie schnell sagt es sich dann, man fordert eine rückhaltlose Aufklärung, vor allem wenn man bereits mit dem Rücken an der Wand steht und einem nur noch die Flucht nach vorne bleibt.

Heute muss ich nun lesen: „Katholische Kirche mahnt Blogger ab, der über Missbrauch berichtet“
Und schon wiederholt sich das alte ihnen so vertraute Spiel. Vordergründig die Fahne der Menschlichkeit, der Betroffenheit, der Moral vor sich hertragend und hintergründig versuchen unter den Teppich zu kehren. Aber letzteres nicht verhalten, nein wir verbieten den mündigen Sprechern einfach das bewegen ihrer Stimmbänder und Finger. Wir nutzen das Ausschöpfen der rechtlichen Mittel zur Zensur oder um Druck auszuüben. Wenn die kirchliche Moral nicht zum Schweigen bringt, dann nutzen wir doch weltliche Instanzen.

Was bleibt heute Morgen ist mein protestierender Aufschrei, hilflose Wut und Unverständnis, was sich dann Bahn bricht in zugegebenermaßen polarisierenden Gedanken wie:
Leben wir in einem Land ohne Konsequenzen? Einem Land mit Bürgern die großflächige Unterdenteppichkehrmaschinen zu bedienen wissen? Wann beginnt endlich jemand mit der Peitsche zu knallen?

Und nein, ich fordere ganz gewiss nicht Stammtisch mäßig die Kastration der Täter oder vergleichbare Aktionen. Ich weigere mich lediglich bei dem Vertuschungsspiel mit zu machen. Deshalb war meine erste Reaktion dazu zu schreiben. Es ist sicher ein verschwindend kleiner Beitrag aber dennoch: ich fordere Transparenz und Aufklärung, da dies das Einzige ist, das Opfern und auch Tätern helfen kann! Nur dies hilft den Opfern ihre Ohnmacht verlassen zu können, weil sie ernst genommen und gehört werden. Nur das kann den Tätern helfen einzusehen, was sie getan haben, Empathie zu entwickeln und zukünftig Rückfälle zu vermeiden. Nur das hilft Eltern ihre Kinder so zu erziehen, dass sie starke Persönlichkeiten werden, die sich trauen nein zu sagen und sich zu wehren.

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1 Kommentar auf “Moderne Zensur und die Gefahr des Schweigens”

  1. Conti-Olaf sagt:

    Liebe Laja,

    bin schwer begeistert von Deinen Zeilen.
    Beide Daumen hoch und volle Unterstützung in der Sache!

    Sonntägliche Grüße
    vom Conti-Olaf