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Nun ist es also amtlich, der Papst hat Bischof Mixas Rücktritt akzeptiert. Dies war längst überfällig und ich kann nur hoffen, dass sich die Umstände nachhaltig aufklären werden.
Es ist schon beeindruckend, wenn man die Übersicht zum Thema „Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche“ auf Spon liest.
So im Nachklapp betrachtet, ist es einmal mehr kaum zu ertragen, wie seitens der Kirche mit den Vorwürfen in den vergangenen Wochen und Monaten umgegangen wurde. Ich verzichte auf eine Zusammenfassung der Statements und Gebaren die vermutlich die meisten ohnehin kennen dürften. Zudem hatte ich hier schon einmal zu dem Thema etwas geschrieben. Letztlich obliegt es anderen Instanzen darüber zu richten, ob jemand schuldig ist oder nicht. So möchte ich hier nicht in eine Vorverurteilung einstimmen, wie man sie anderen Ortes durchaus hören oder lesen kann.
Allerdings beschäftigt mich die Frage, nach welchen Kriterien die Kirchenoberen ausgewählt werden.
Beispielhaft erklärte Herr Mixa in seiner diesjährigen Osterpredigt die Massenmorde der Nazis und Kommunisten als Beweis für die Unmenschlichkeit des Atheismus. Noch im Februar gab er einer sexuellen Revolution die Mitschuld an den Missbrauchsfällen. Ein Jahr zuvor stellte er einen Zusammenhang her zwischen der Anzahl der Opfer des Holcaust und der Anzahl der Abtreibungen vergangener Jahrzehnte. Für mich, spiegelt sich in derartigen Aussagen ein Menschenbild wider, das ich nicht einmal ansatzweise teilen kann.

Rückt man von den Argumentationsstrategien eines Einzelnen ab, so scheint die Kirche im Grunde sich selbst und ihrer Geschichte treu geblieben zu sein. Hexenverbrennung, Glaubenskriege, irgendwie scheint jedes Zeitalter sein düsteres Kapitel zu haben. Aus der eigenen Geschichte zu lernen, scheint überflüssig. Es mutet blasphemisch an, dass solche Menschen jemanden vor sich her, um den Hals und sonst wo tragen, der angeblich für sie am Kreuz starb. Jesus wird benutzt als Maskottchen. Ich würde mich an seiner Stelle im Grab herumdrehen, wenn ich es denn könnte.
Über allem steht ein System, dass polarisiert. Die Kirche fungiert als totalitärer Überbau für das Tun ihrer Mitarbeiter. Ganz entgegen gewisser christlicher Werte, entpuppen sich diese zuweilen als Misantropen. Menschliches ist nur geduldet, wenn es zu den eigenen Zielen passt, den eigenen Richtlinien und dem Streben nach Macht. Ist das nicht der Fall werden sie niedergekämpft. Frei nach Christian Morgensterns Zitat „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“. Sexuelle Bedürfnisse werden so wider besseres Wissen ausgeschlossen. Menschen werden vor die Wahl gestellt: Pope oder poppen? Tja – man muss sich schon entscheiden, wenn man Würdenträger werden und das Wort Gottes der Kirche verbreiten will. Dass hinter klösterlichen Mauern das bunte Treiben laufen soll, weiß gerüchteweise und hinter vorgehaltener Hand ja jeder. Ach echt? Das weiß jeder? Komisch, dass dann weiter an dem Zölibat festgehalten wird oder ist dies der besondere sexuelle Kick – verbotenes Tun im Verborgenen? Vielleicht sollten sich auch diese Leute einmal näher mit den Ursachen für sexuelle Gewalttaten beschäftigen, dann müssten sie alsbald einer Erleuchtung beiwohnen. Pervertierter Umgang mit natürlichen Bedürfnissen, Vereinsamung, mangelndes Selbstwertgefühl, na klingelt es?
Missbrauch ist in der Tat kein ausschließliches Problem der Kirche aber es ist eben auch ihr Problem. Zu verlangen, dass sexuelle Bedürfnisse, Sehnsüchte nach Nähe im Verborgenen bleiben, bedeutet auch ein Klima zu schaffen in denen die Grenzen immer weiter verschwimmen.

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