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Gestern kam ich nicht dazu, mich hier zu diesem Thema auszulassen, aber heute muss es raus. Wieder einmal gilt es Fefe zu danken, dass ich überhaupt über diese Nachricht stolperte. Die Los Angeles Times berichtete unter der Überschrift: “Google to hand over Wi-Fi data to three European countries”, dass neben Frankreich und Spanien, natürlich auch deutschen Behörden die versehentlich gesammelten WiFi-Daten übergeben werden. Google hatte diese Daten ursprünglich zerstören wollen. Die Financial Times schrieb “Germany is considering a criminal investigation into the practice. Google faced a stand-off with Hamburg privacy authorities last week over whether it would be legal to hand over the rogue data. It now appears willing to reach a compromise.”

Liest man dies, so kann ich Fefe nur zustimmen. Wieso schreit hier keiner auf?
Die Empörung darüber, welche Daten Google wann und wo gesammelt hat, ist noch in meinen Ohren. Ebenso ist mir das Entsetzen in der breiten Bevölkerung über Googles StreetView noch gut in Erinnerung. Der Mob schrie auf. Die Häuslebesitzer fürchteten um ihr Hab und Gut. Alle Sicherheit schien dahin, weil Einbrecher jetzt viel leichter die Örtlichkeiten für ihren nächsten Coup ausspionieren können.
Doch heute – nichts als Stille ist zu hören. In den deutschen Medien wird diese Nachricht eher stiefmütterlich verbreitet1. Die Berichterstattungen sind vergleichsweise leise, denkt man an die Artikel die es noch vor Kurzem über StreetView zu lesen gab.
Ist es mal wieder eine typisch deutsche Haltung? Immer wieder ist es zu beobachten, dass bestimmte Themen wie ein Trigger funktionieren. Aus dem Stand heraus wird sich aufgeregt. Der Puls beschleunigt von Null auf Hundert geradezu in Lichtgeschwindigkeit. Die Halsschlagader pulsiert, der Rücken streckt sich, die Brust wird rausgedrückt und der Blick sprüht Feuer. Es ist dabei unwichtig, ob man nun weiß worum es geht, über Hintergrundinformationen verfügt oder nicht. Stammtische biegen sich unter der Last des Ärgers der darum Sitzenden. Selbst die Hausfrau des abgeschiedensten Örtchens fühlt sich erwogen, ihre Meinung zu äußern.
Plötzlich passiert etwas seltsames. Irgendwie legt sich der Wind. Keiner spricht mehr darüber. Das Interesse ist verebbt. Im Übrigen ist es auch völlig gleich, ob der Aufschrei eine Änderung bewirkte oder nicht. Man wendet sich dem nächsten Thema zu, dass den wöchentlichen Stammtisch bereichern kann. Unterdessen kann das Stammtischthema der letzten Woche sich fröhlich entfalten und weiter entwickeln. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Viele nur mit einem Abwinken reagieren würden, würde man sie mit der Nase auf die neueste Entwicklung stupsen. Vielleicht käme noch eine Bemerkung wie “Awaa, die mache doch eh was se wolle!”
In meinem Kopf schallt es: Wie stumpf sind wir eigentlich?

  1. Welt, Spiegel , Süddeutsche []
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