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frida_kahlo_small_0trimmedAm 06. Juli 1907 wurde Frida Kahlo in Coyoacán, Mexiko-Stadt geboren und wäre somit vor zwei Tagen 103 Jahre alt geworden. Wie immer in den letzten Wochen regt mich das Doodle von Google zum Schreiben an.
2006 besuchte ich eine Ausstellung des Bucerius Kunst Forums in Hamburg. Unter der gemeinsamen Schirmherrschaft des Botschafters von Mexiko in Deutschland wurden einige Bilder der Kahlo ausgestellt. Ich habe wirklich selten derart ausdrucksstarke, anrührende Bilder gesehen. Es mag an meiner Stimmung an diesem Tag gelegen haben, dass die Bilder mich so tief beeindruckten, mehr noch als jene, die ich einmal von Dali sah. Dali kommt mir in den Sinn, da auch er dem Surrealismus zugeordnet wird, ebenso wie Frida Kahlo. In ihren Bildern spiegelte sich neben der frühen Kunst Mexikos, die der Azteken und Maya. Ihr Vater, ein aus Deutschland stammender Fotograf, hatte ihre Liebe für die europäische Kunst geweckt, die ebenso wie soziale, politische und vor allem persönliche Umstände und Probleme in ihre Werke einfloss.
Es wird in ihren Bildern mehr als deutlich, dass für sie die Malerei ein Medium war, sich mit ihren Eheproblemen sowie ihrer angeschlagenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Frida Kahlo heiratete 1929 Diego Rivera, einen berühmten mexikanischen Freskenmaler, der ihr nicht immer die Treue hielt. Mit ihm lebte sie in den USA zu einer Zeit als die europäische Avantgarde die Staaten erreichte. So fanden sich beispielsweise in New York erste Galeristen, die Bilder von René Magritte, Salvador Dali und Max Ernst ausstellten. Im Übrigen Künstler die Frida Kahlo durchaus kannte.
Frida Kahlo führte alles in allem kein leichtes Leben. Mit sechs Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung. Nachdem sie lange das Krankenbett hatte hüten müssen, blieb ihr rechtes Bein etwas kürzer und dünner. Doch als sei dies nicht schon genug, verunfallte sie bei einem Busunglück 1925 schwer. Eine Stahlstange hatte ihr Becken durchbohrt. Über eine lange Zeit musste sie ihre Tage immer wieder liegend in einem Ganzkörpergips oder auch einem Stahlkorsett verbringen. In dieser Zeit beschäftigte sie sich, in dem sie vom Bett aus malte.
Obgleich die Ärzte ihr diese Hoffnung nicht gemacht hatten, lernte sie wieder laufen. Die Schmerzen, die aus den unfallbedingten Schädigungen resultierten, begleiteten sie jedoch den Rest ihres Lebens. Sie waren zudem dafür verantwortlich, dass Frida Kahlo keine Kinder bekommen konnte und mehrere Fehlgeburten erlitt.
Von ihren 143 Bildern sind 55 Selbstportraits. Sie sagte dazu einmal: “I paint self-portraits because I am the person I know best. I paint my own reality. The only thing I know is that I paint because I need to and I paint whatever passes through my head without any consideration.”1 So sind ihre Bilder ein Spiegel ihrer Biografie, ihrer Gefühle, ihrer Liebe und ihres Hasses, der körperlichen und seelischen Schmerzen und auch der politischen Gesinnung.

Es gibt so viele Bilder, die mich beeindruckt haben. Leider machen es die urheberrechtlichen Bedingungen unmöglich hier eine Auswahl einzubinden. Daher möchte ich beispielhaft ein Bild kurz beschreiben,dass mir besonders gefiel, in der Hoffnung, dass man es sich vorstellen kann. Falls nicht, die ein oder andere Abbildung findet sich im www. Das Bild trägt den Titel “Die gebrochene Säule” und entstand 1944. Zur Zeit als sie das Bild malte, musste sie für 5 Monate ein Stahlkorsett tragen, um ihren von vielen Operationen geschwächten Körper zu stützen. Auf dem Bild sieht man sie mit besagtem Korsett, übersät mit Nägeln, die sich in ihren Körper bohren. Ihr Körper ist vertikal aufgebrochen und man sieht im Inneren eine gebrochene antike Säule. Dieses Selbstportrait unterscheidet sich auch dadurch von den anderen die sie malte, weil sie ganz alleine abgebildet ist. Weder Affen, Katzen noch Papageien oder besondere Pflanzen sind im Hintergrund zu sehen. Sie steht alleine auf einer weitläufigen Ebene, unter einem stürmischen Himmel und Tränen laufen ihr über das Gesicht. Man könnte vermuten, dass sie mit diesem Selbstbild auch ausdrücken wollte, dass sie alleine mit ihren physischen und emotionalen Schmerzen umgehen musste. Die Nägel symbolisieren ihren Schmerz, ebenso wie die Tränen. Im Übrigen fällt bei ihren Bildern auf, dass Tränen meist im Gegensatz stehen zu einer ausdruckslosen und unbewegten Mimik.
Ich kann jedem nur empfehlen, sich ihre Bilder einmal in einer Ausstellung anzusehen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Zum Schluss noch etwas:
Das Frida Kahlos (Liebes-)Leben 2002 als Film in die Kinos kam, hat möglicherweise nicht jeder mitbekommen, da er nicht so sehr gepusht wurde. Irgendwie erinnere ich mich, dass er nicht auf sooo großes Interesse stieß, wenn man sich damals so umhörte. Mich interessierte er schon, insbesondere nachdem ich in der Ausstellung gewesen war und mich etwas mehr mit Frida Kahlo befasst hatte. Außerdem – bei der Besetzung: Salma Hayek und Antonio Banderas – ist der Film doch durchaus einen Blick wert.
Das Video hier habe ich allerdings weniger eingebunden, um zu zeigen wie gut dort Fridas Leben skizziert wurde. Es ist einfach eine sehr schöne Szene in diesem Film und ich bin sicher nicht nur für die Männer.
Salma Hayek und Ashley Judd tanzen Tango. Ohnehin liebe ich diesen Tanz, der nur so vor Erotik sprühen kann und diese beiden machen das richtig gut…naja, schaut selbst.

  1. Frida Kahlo by Archana Mehta []
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1 Kommentar auf “Frida Kahlo – eine Hommage und mehr”

  1. Frida Kahlo: La Tehuana

    Vier weitere Tehuana-Kleider sind jetzt in der Frida Kahlo Ausstellung “Leid und Leidenschaft“ im Kunstmuseum Gehrke-Remund in Baden-Baden ausgestellt.

    “… als Tehuana trage ich…”, schrieb Frida Kahlo zu Nicholas Muray in Februar 1939 aus Paris. Tatsächlich machte Frida Kahlo diese Huipiles (Blusen) und Röcke, aus der Landenge von Tehuantepec im Süden Mexikos, in der ganzen Welt berühmt.

    Ab dem 1. Juni 2010 werden im Kunstmuseum Gehrke-Remund vier zusätzliche Tehuana Kleider – ursprünglich aus Mexiko – gezeigt.
    Diese vier weiteren Stücke ergänzen die vier Huipiles und Röcke, die bereits in der Ausstellung zu sehen sind.

    Jedes Exponat ist besonders wertvoll in seiner eigenen Art und Weise. Das aufwendigste Tehuana-Kleid in der Ausstellung ist ein Gala Stück: einem Rock und einer Bluse aus dem gleichen Material und Muster.
    Dessen Blumen-Muster sind handgestickt, die geometrischen Muster sind handgewebt. Es dauert mehr als 3 Monate um diese Bluse anzufertigen und fast ein Jahr für das gesamte Kleid.
    Der Rock endet mit einer weißen Spitze. Aufgrund der reichhaltigen, handgestickten Blumenmuster und der Breite des Rockes wiegt dieser fast zwei Kilo.

    Das Tehuana-Kleid Exponat ist neben dem Frida Kahlo Gemälde: “Baum der Hoffnung, bleib stark”, 1946 ausgestellt. Darauf stellt sich die mexikanische Künstlerin in einem Selbstbildnis mit einem ähnlichen Tehuana-Kleid dar.

    Die Frauen des Landenge von Tehuantepec sind bekannt als stark und unabhängig. Zur Zeit der Frida Kahlo eroberten diese die Fantasie von vielen Reisenden und Künstler. Durch das Tragen der Tehuana-Kleider, machte Frida Kahlo eine Aussage über sich selbst und ihre mexikanischen Wurzeln.

    Die Frida Kahlo Ausstellung “Leid und Leidenschaft” ist eine Dauerausstellung und zeigt 116 Gemälde Frida Kahlo: Handbemalte lizenzierten Repliken von © Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust / VG Bild-Kunst, Bonn 2008.