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In dieser Woche war nicht nur mein Reader gespickt mit dem Thema Facebook, Privatsphäre, soziales Netzwerken, auch Podcasts widmeten sich diesem in allen Farben und Formen.
So dachte ich mir, gebe ich auch mal meinen Senf dazu.
Vorsicht es wird keine wissenschaftliche Abhandlung und/oder Bewertung der Firmenpolitik von Facebook oder von Mister Zuckerberg in persona.
Wenn ich allerdings dessen Aussage lese wie:

“You have one identity… The days of you having a different image for your work friends or co-workers and for the other people you know are probably coming to an end pretty quickly… Having two identities for yourself is an example of a lack of integrity” – Zuckerberg, 2009

frage ich mich – im ersten Moment – warum die Welt sich so echauffiert, da er mit seiner Aussage eine recht klare Haltung transportiert. Letztlich ist es dann doch die Entscheidung jedes Einzelnen trotzdem ein Facebook-Konto zu haben oder eben nicht.
Wird mir etwas angeboten, dass ich Panne finde, nutze oder kaufe ich es nicht. Arbeitet eine Plattform im Internet mit Methoden die mir nicht behaglich sind, dann meide ich sie. Wenn ich etwas nicht veröffentlicht haben möchte, dann stelle ich es nicht ins Netz. Will ich das Risiko umgehen, dass jemand meine Mail lesen könnte, verschlüssele ich sie. Ich dachte immer es sei eigentlich so einfach.

Luca Hammer hat eine Beschreibung für den Umgang mit seinen Daten benutzt, die ich kürzlich schon einmal in einem Podcast hörte „Ihr solltet euch vor jedem Update fragen, ob ihr damit leben könntet, wenn es morgen in der Zeitung erscheint.“
So schön so gut.

Persönlich hatte ich lange kein Facebook-Konto. Fast ebenso lange habe ich gebraucht bis ich mich dazu durchgerungen hatte zu bloggen. Naja mit Twitter und anderen Geschichten war ich etwas früher mit von der Partie, aber letztlich habe ich mich bei jedem Schritt ins www. gefragt, warum ich das mache und was ich damit will. Das Gleiche frage ich mich bei allem was ich so in die Welt posaune.
Dabei möchte ich natürlich die alleinige Kontrolle über meine Daten haben. Spätestens dann, wenn mir das Recht genommen werden würde selbst darüber zu entscheiden, wann ich was unter welchem Namen veröffentliche wäre meine Grenze erreicht.

So dachte ich, ich sei mit meiner Herangehensweise eigentlich schon ganz weit vorne. Das dies nur bedingt der Wahrheit entspricht, wurde mir durch viele hilfreiche Beiträge in den vergangenen Tagen klarer. Wertvoll fand ich dabei die detaillierten Informationen über das hintergründige Wirken diverser Plattformen.
Viele Leute haben auf die veränderten Bedingungen bei Facebook hingewiesen in dem sie sie problematisierten. Der so in Gang gesetzte Informationsfluss hätte eigentlich von Facebook selbst ausgehen müssen. Stattdessen stehen die Nutzer, bedingt durch die komplizierte Oberflächengestaltung, einem Mangel an Transparenz gegenüber. Der Umgang mit privaten Einstellungen ist enorm erschwert.
Danah Boyd beschrieb den Fall eines Mädchens mit der sie über deren private Einstellungen gesprochen hatte. Dabei stellten Beide fest, dass sie einige Inhalte für Freunde von Freunden freigegeben hatte. Sie glaubte ihre Mutter könne in keinem Fall diese Inhalte sehen, da sie sie nicht in ihren Kontakten hatte. Um so überraschter schien sie wohl, als klar wurde, dass ihre Mutter aber mit ihrer Tante verbunden war, die wiederum in den Kontakten besagten Mädchens stand.
Puh kompliziert, war auch mein erster Gedanke. Doch wieder schloss ich nahezu messerscharf, ach auch egal, du hast eh nur das öffentlich was jeder lesen kann und somit keinen Stress damit. Bei genauerer Überlegung finde ich es allerdings schon schlimm. Ich habe die Information, ein Umfeld, dass mir Dinge erklärt, verstehe so halbwegs was welche Einstellung in den Privatsphären bedeutet und kann mich entsprechend darauf einstellen. Das geht sicher nicht jedem so. Nicht alle machen sich die Mühe genauer hinzusehen, zu hinterfragen und leben so im guten Glauben an eine Sache, die nicht so ist wie sie sie verstanden haben.
Besonders eindrucksvoll ist der Beitrag der New York Times, den Fefe verlinkt hat. Dort wird in einem Flussdiagramm anschaulich aufgezeigt, dass man durch 50 Einstellungen mit über 170 Optionen navigieren muss, um die Privatsphäre so gestalten zu können wie man sie haben möchte. “Facebook says it wants to offer precise controls for sharing on the Internet.” Ja nee is klar.
Doch damit nicht genug, eine weitere Facette tat sich auf: Sagte ich vorhin nicht meine Grenze wäre dann erreicht, wenn ich nicht mehr die alleinige Kontrolle über meine Daten habe? Das beinhaltet für mich auch, wissen zu wollen wer als Drittnutzer meine Daten nutzt, versilbert oder weiterleitet. Wäre es gewünscht, dürfte es doch nicht wirklich ein Problem sein, hier einen Konsens mit den Nutzern herbeizuführen. Selbst wenn es meine Vorstellungskraft übersteigt, dass irgendjemand meine Daten haben wollen würde, ist es eine schräge Vorstellung, um solche hintergründige Tricksereien zu wissen.
Irgendwie denke ich gerade an das fiese Kleingedruckte, dass einem immer wieder unter die Nase gehalten wird. Wie oft hat man das schon überlesen und vergessen bestimmte Passagen zu streichen. Nur hier waren die Konsequenzen, weniger global.
Am Ende bleibt für mich, dass ich die kommende Entwicklung wohl weiter beobachten werden muss. Weder Hysterie noch Paranoia sind gute Ratgeber, insofern lehne ich mich mal wieder in meinen Sessel zurück und werde in die Welt lauschen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die, erneut um Facebook entbrannte öffentliche Diskussion den bestehenden Informationsmangel ausgleichen hilft.

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