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Esoterik im Alltag …

…oder einfach, wenn die Schwingungen schwingen, der Vollmond zu hell strahlt …

Vollmond Der Vollmond!
Wir alle wissen, es gibt ihn. In der Regel erscheint er einmal im Monat, rund, voll und strahlend.
Wenn der Vollmond scheint, drehen alle durch, heißt es. Besonders sollen das die merken, die in Krankenhäusern, der Psychiatrie, bei der Polizei oder ähnlichen artverwandten Institutionen arbeiten.
Persönlich konnte ich das noch nicht so bestätigen. Ich habe es beruflich mit erwachsenen Männern zu tun, für die die Welt an sich schon recht bunt ist. Ihre vielseitigen psychischen Störungsbilder setzen sich zu einer Collage zusammen, die sich fast täglich verändern kann. Wenn ich es genau überlege, so war in diesem Monat die Woche vor dem Vollmond und die um ihn herum echt irre. Genau genommen frage ich mich, wann es in den letzten Wochen und Monaten überhaupt einmal ruhig war.

In dieser Woche schien das Thema Esoterik der Bringer zu sein, zumindest für einen der Männer. Man stelle sich einen Mitzwanziger vor, Südländer, die schwarzen schulterlangen Haare in sanften Wellen mit Pomade nach hinten gestrichen, natürlich im ballonseidenen Trainingsanzug. Er selbst bezeichnet sich als Künstler, genauer gesagt als Musiker. Das er Rapper ist zeigt sich besonders in seinen Gesten. In einer größeren Gruppenveranstaltung, die den Zweck hat sich einmal mehr darüber zu unterhalten, wie man gemeinschaftliche Bereiche sauber hält oder auch welche Aktivitäten man mal so planen könnte, meldete er sich zu Wort.
Auch in seiner Aussprache zeigt sich der Coole: „Krasse Kette haben sie da, voll so’n Amulettdings oder wie die Uhr von dem Einen da, kennen sie den? Naja gut Uhr war größer.“ Gemeint ist Flavor Flav, seines Zeichens Rapper der Hip-Hop Formation Public Enemy, dessen Markenzeichen eine riesige Uhr war, die er stets um den Hals trug. Die Kette meiner Kollegin würde sich dahinter verstecken können.
Doch unser Rapper war an diesem Abend noch nicht am Ende: „Keine Ahnung mit was für Vereinen ihr da so zu tun habt, von wegen Kohle und so. Aber können sie nicht ma’ so’n büschen was Esoterisches kaufen. Ich fühl hier voll die schlechten Schwingungen seit Tagen. Halt so was für Atmosphäre und so.“, bemerkte er mit einer zelebrierten Lässigkeit.
Ein anderer wirft ein: „Ey Alder, du willst doch nur Shisha rauchen.“
Daraufhin der Rapper, etwas entsetzt: „Nee gar nich. Bin doch voll clean. Find einfach die Schwingungen hier so aggro. Und so büschen Kerze, so’ne Duftdinger und Deko kann da ja schon was bringen“
Eine Kollegin wirft mit einem süffisantem Grinsen ein: „Sie wissen schon, dass Atmosphäre auch aus ihnen heraus kommt?“
Er lachend: „War ja klar, das sie das sagen… Psychologin halt.“

Am Ende vereinbaren wir schmunzelnd mal ein bisschen was in Duft und Traumfänger zu investieren.

Traumfänger Wer glaubt, dass Traumfänger, sich nur über Betten finden, der irrt allerdings gewaltig.

Ich so ; beim Penny gestern: stehe an der Kasse, die Schlange geht meilenweit durch bis zum Weinregal. Die Zeit ist lang und wird länger, insbesondere wenn die Kassierer sich nur schwer von ihren Waren trennen können. Stück für Stück wird gemächlich über den Scanner gezogen. Mir gibt es Zeit meine Umebung zu scannen. Mein Blick schweift und beurteilt: langweilig, langweilig, Presswurstmädel, langweilig…oh, was ist das? Was hat er denn da im Haar? Zwei Mann vor mir steht ein Mann um die 60ig, dessen Hand erst aufhört zu zittern, als sie mit dem Gewicht der Alkoholflasche beschwert ist, die er schließlich auf das Fließband packt. Seine Haare sind oben mönchsgleich licht und so bleibt nur ein grauer Haarkranz, den er aber in die Länge gezüchtet hat. Strähnen fallen über die Schultern. Im Nacken verknüpft mit seinen Haaren, liegt geradezu sanft angeschmiegt ein Traumfänger. Tatsache: es ist ein Traumfänger.
Das nenn ich mal innovativ.
Ich frage mich noch, ob die Wirkung des Traumfängers, dadurch direkter ist, ohne störende Fremdstrahlungen? Oder ob er ihn nur so angebracht hat, weil Vollmond war? Ich werde es wohl nicht erfahren…

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