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Der Weihnachtswahnsinn

Um 5. 30 Uhr klingelt der Wecker wie fast jeden Tag im Alltag.
Zweimal gesnoozt, dann doch aufgestanden.
Es folgt der immer wiederkehrende “Täglich-grüßt-das Murmeltier”-Aktionismus. Ich spare der werten Leserschaft die Sammlung aus Frühstück machen, Tiere versorgen, Duschen und so vieles mehr.
Um 8.00 Uhr stehe ich bereits im ersten Supermarkt. Zwar finde ich dort den begehrten Kloßteig, der inzwischen zur vorweihnachtlichen Rarität wurde und packe ihn -ganz glückliche Jägerin, in meinen Einkaufshelfer, doch die nächste Hürde gilt es sogleich zu nehmen.
Auf zum Käse: Weidmannsheil, denke ich noch, als ich suchend vor dem Regal stehe. Bin ich noch morgenblind? Reihe um Reihe scannen meine Augen die Käsedarbietungen. Wie ein alter Nadeldrucker rattern meine Augen von links nach rechts, dann wieder links, rechts. Nach dem dritten Gesamtdurchgang spreche ich eine Frau an, die offensichtlich dort arbeitet. “Sagen Sie, Raclettekäse? Haben Sie Racelettekäse?” Sie verneint bedauernd. Man habe nur so einen kleinen Baustein für Käse und da sei weder an Weihnachten noch Sylvester Racelettekäse im Programm. Sicher könnte ich in einer größeren Filiale mehr Glück haben. Ich lasse noch einmal – ebenfalls bedauernd – meinen Blick über die gefühlt 100 m lange Käsekühlung schweifen und ziehe mit eingezogenem Kopf weiter. Doch erschüttert bin ich nicht. Wozu habe ich schließlich eine Mittagspause, wenn ich diese nicht mal gewinnbringend nutze.
4 Stunden später wage ich mich raus und werde förmlich von den Menschenmassen erschlagen. In der Bank spare ich mir das Anstehen, wer braucht schon Bargeld und so ziehe ziehe ich ohne weiter.
Die nächste Schlange an der Käsetheke des nächsten Supermarkts, lässt mich ebenfalls aufgeben. Beträgt meine Mittagspause nur 30 Minuten und nicht zwei Stunden. Ein Blick über die anstehenden Leute, sagt mir Urlauber, Urlauber, gestresste Hausfrau, Rentnerin, Urlauber. Im Ergebnis bewerte ich das Verpeilungslevel hoch und drehe ab. Immerhin habe ich am Ende wieder einen anderen kleinen Teil des Weihnachtseinkaufs erjagen können und andere Supermärkte haben schließlich auch schöne Kühltruhen oder Käsetheken, die ganz bestimmt auch Racelettekäse führen. Über die Drogerie und den ortsansässigen Kaffeedealer, geht es zurück an meinen Arbeitsplatz.
Als ich am Abend nach einem weiteren Supermarktbesuch, einer Stippvisite in der Apotheke in der Post stehe, weil ich die Weihnachtskarten den Tag über in meiner Handtasche spazieren trug, anstelle sie in einen der gelben Kästen zu werfen, hätte ich fast lachen können. Selbst der unfreundliche Mensch, der mich fälschlicher Weise beschuldigte, dass ich mich vorgedrängelt hätte, obgleich sein Paketstapel so hoch war, dass er mich wohl schlichtweg übersah, kann mich nicht aus der Ruhe bringen.
Irgendwann lande ich schließlich auf dem Sofa. Müde und ko und irgendwie weihnachtswahnsinnig.

Frohe Weihnachten!

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