Beiträge
Kommentare

Kaffeetexte Bereits im März wurde eine Studie zu psychischen Belastungen in der modernen Arbeitswelt von der Psychotherapeutenkammer (BPtK) veröffentlich. Demnach sind immer mehr Arbeitnehmer aufgrund psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig. 2008 entstanden knapp 11 % der Fehltage durch psychische Erkrankungen. Seit 1990 haben sich diese Krankschreibungen gar verdoppelt.
Das psychische Erkrankungen meist zu langfristigen Ausfällen führen, liegt auf der Hand. Hat die Seele erst einmal einen Schlag bekommen, braucht sie schon einen Moment, um sich zu erholen.
Laut BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter belegt diese ständig ansteigende Zahl der Krankheitstage, an denen Arbeitnehmer aufgrund psychischer Krankheiten ausfallen, ” … die tatsächliche Dimension psychischer Erkrankungen” Weiter stellte er fest, dass es über Jahrzehnte Schwierigkeiten in der Diagnostik dieser Erkrankungen gab: “Psychische Krankheiten wurden jahrzehntelang übersehen oder nicht richtig diagnostiziert. Die wachsende Zahl von Arbeitnehmern, die aufgrund einer seelischen Störung arbeitsunfähig sind, ist deshalb nicht überraschend. Die Zunahme ist aber auch eine Folge der steigenden psychomentalen Anforderungen in modernen Dienstleistungsgesellschaften.”

Es gibt Metaanalysen, die belegen, dass psychische Erkrankungen besonders dann entwickelt werden, wenn es zu einer Kombination von hohen Anforderungen und geringem Einfluss des Einzelnen auf die Arbeitsprozesse gibt.
In anderen Studien wurde eine Häufung psychosomatischer Erkrankungen dann festgestellt, wenn es zwischen dem beruflichen Einsatz und der Entlohnung oder Anerkennung zu einem gravierenden Ungleichgewicht kommt. BPtK-Präsident Richter sagte hierzu: “Die psychische Gesundheit des Menschen ist dann besonders gefährdet, wenn er an seinem Arbeitsplatz zwischen hoch verdichteten Anforderungen und komplexen Abhängigkeiten erlebt, dass er mit seinen Entscheidungen und Handlungen wenig oder nichts bewirkt …. Das ständige Gefühl, nichts daran ändern zu können, dass man von außen gesetzten Anforderungen nicht gerecht werden kann, macht krank. … Psychisch gesund bleibt eher, wer erlebt, dass er Einfluss auf seine Tätigkeitsabläufe hat.”
Am häufigsten erkranken deutsche Arbeitnehmer an Depressionen. Leider wird diese Erkrankung trotz der vermehrten Aufmerksamkeit, die dieser in der Öffentlichkeit zu Teil wurde, weiterhin tabuisiert. Als ein Symptom für diese Haltung wird angeführt, dass sich Menschen wohl lieber wegen eines Burnouts behandeln lassen als wegen einer Depression.
Hinzu kommt, dass noch immer Depressionen sehr Spät oder gar nicht diagnostiziert werden und zuweilen auch nicht ausreichend behandelt werden. Eine medikamentöse Behandlung ist hier eher einseitig und eine Kombination mit Psychotherapie wäre angezeigt. “Die Nationale Versorgungsleitlinie Depression1 betont, dass Psychotherapie vielfach die wirksamste Behandlungsoption ist. Die besondere Stärke der Psychotherapie ist, dass sie anhaltend und längerfristig wirkt. Psychotherapie vermag auch das Rückfallrisiko zu senken. Unbehandelte Depressionen hingegen entwickeln sich oft zu langwierigen und chronischen Erkrankungen, bei denen nicht selten wiederholte stationäre Behandlungen erforderlich sind.”

Im Hamburger Abendblatt wurde gestern berichtet, dass es die meisten Krankmeldungen wegen psychischer Erkrankungen in Hamburg und Berlin gab. In beiden Großstädten zählte die DAK je 179 Fehltage pro 100 Versicherte, während der Bundesdurchschnitt bei 134 Krankheitstagen lag.
Dies sei laut Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK auch darauf zurückzuführen, dass das Angebot die Nachfrage regelt und es in Städten, gegenüber den ländlichen Gebieten, mehr Behandlungsangebote gäbe. Außerdem seien in Großstädten psychische Erkrankungen weniger ein Tabu.
Besonders betroffen sind – laut DAK Gesundheitsreport – übrigens die Arbeitnehmer im Gesundheitswesen. Deutlich wird dies, wenn man die Zahlen sieht: 210 Fehltage pro 100 Versicherte, gefolgt von der öffenltichen Verwaltung mit 171 Tagen.

Besonders die letzt genannten Zahlen überraschen nicht. Ist doch häufig im Gesundheitsbereich die Schere zwischen Einsatz und mangelnder Anerkennung besonders groß. Persönlich finde ich es allerdings nur bedingt relevant. Viel wichtiger erscheint mir, weiter für Verbreitung und Öffentlichkeit zu sorgen, sowie Ärzte stärker zu schulen. Für den Einzelnen kann man wohl nur sagen: “Sorgt für euch!” Gemeint ist das sowohl präventiv als auch im Falle einer Erkrankung. Beides ist in der Regel leichter gesagt als getan, wenn man glaubt den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. Und doch bin ich überzeugt, dass Aufklärung und das Gefühl nicht allein zu sein helfen kann.

  1. VersorgungsLeitlinien.de []
flattr this!
|

Keine Kommentare möglich.