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Alle Jahre wieder…

… kehrt die Weihnachtszeit ein. Eigentlich eine schöne Zeit, die ich sehr mit Entspannung assoziiere. In dieser Zeit stören mich die vielen dunklen Stunden noch nicht. Herrlich wenn es – wie jetzt – so richtig winterlich ist. Mit kalt gefrorener Nase nach Hause kommen, einen heißen Kaffee oder ein Glas Wein genießen, flackernde Kerzen, ein paar schöne Lesestunden, einen netten Film, stundenlange Telefonate, heiße Bäder in der Wanne und Vieles mehr.

Doch es gibt auch die andere Seite.

Die Einkaufsmeilen sind seit Wochen verstopft, besonders an den Wochenenden.
Der Hamburger Weihnachtsmarkt schlängelt sich durch die Innenstadt, doch es bleibt kaum Zeit die üblichen Leckereien zu erschnuppern. Die Massen schieben sich und einen selbst von einem Glühwein- und Futterstand zum nächsten. Es herrscht Enge, die Luft flirrt von genervten Kommentaren derer, die sich für so einzigartig halten, dass sie glauben, man sollte ihnen immer Platz machen.
Geschenkejäger reihen sich ein, schieben sich hektisch von einem Laden zum nächsten. Hier ein Duftwasser für die Liebste, ein Hemd für den Vater, der ja alles hat. Für mehr reicht die Fantasie nicht. Eine Frau schimpft, weil ihr zum xten Mal jemand auf den Fuß trat. Ein Kind quengelt, ein weiteres schreit. Die Verkäufer wirken unmotiviert in den Läden ebenso wie an vielen Ständen des in der Innenstadt verstreuten Marktes.
Ich denke an einen Kaffee, ein Bad, spür wie meine Füße schmerzen und votiere innerlich für den sofortigen Winterschlaf. Mein grummelnder Magen reißt mich rüde aus meiner kurzfristigen geistigen Abwesenheit und erinnert mich an die bevorstehende Nahrungssuche. Also gilt es weiter zu jagen und zu suchen. ‚Moment mal’, blitzt es mir durch den Kopf, ‚heißt es nicht die Männer seien die Jäger und Sammler?’ Ein leises kaum hörbares Seufzen entweicht mir. Ein Blick an meine Seite, begleitet von dem Gedanken, dass geteiltes Leid bekanntlich nur halb so schwer wiegt, treibt mich vorwärts und so geht es weiter in den Supermarkt.
Ja nee ist klar: übermorgen ist eigentlich nicht Weihnachten, es muss irgendein anderer Termin sein, der damit zu tun hat, dass Alle zu glauben scheinen, es wird sehr, sehr lang keine Nahrungsmittel mehr geben.
Ob es wohl helfen würde zu verkünden, dass der angekündigte Weltuntergang gar nicht erst 2012 ist, sondern bereits übermorgen? ‚Kauft keine Lebensmittel Leute! Genießt die letzten Stunden, da wollt ihr doch wohl nicht essen!?’ Naja gut – ich fürchte es würde eher damit enden, dass jener, mit dem ich das Leid teile, mir den Mund zuhält oder recht schnell die netten weißbekleideten Jungs aus einem rotweißen Wagen stürmen. Zudem würden vermutlich Alle eher noch mehr einkaufen, sich in der Annahme wappnend, ganz bestimmt diejenigen zu sein die überleben.
So bleibe ich dann doch ermattet in der Kassenschlange stehen. Langsam näher ich mich dem Ziel. Es ist schon faszinierend zu beobachten, dass manche Kassiererinnen Mühe zu haben scheinen die Lebensmittel auch wirklich zu verkaufen. Da wird jedes Stück individuell verabschiedet, nach rechts und links gedreht, letztlich über den Scanner gezogen, gerne auch mehrfach, bevor sie es dem Kunden in die Hände legt und sich mit einer seichten Kopfdrehung der nächsten Ware zuwendet.
Am Ende wird sie es schaffen loszulassen, sich der Wagen füllen, die Waren verstaut sein, die Wohnung geputzt und dann folgt der eigentliche Teil, denn dann klingelt irgendwann das Glöckchen – ach nein, erst die vom Besuch betätigte Türklingel.

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