Alsterimpressionen!
Was Harry P. heute wohl ohne Ron macht?
Ohne Worte
14. Apr 2013 von Laja
Auf den Kopf gestellt
14. Apr 2013 von Laja
Einfach mal die Seele baumeln lassen …
1. Apr 2013 von Laja
Dreck unter Gottes Teppich
11. Feb 2013 von Laja
Über die Jahrhunderte müsste sich derart viel Dreck unter Gottes Teppich angesammelt haben, dass sich bereits eine unüberwindbare Bodenwelle gebildet haben dürfte. Eine Bodenwelle, die im Normalfall schon vielen das Genick gebrochen hätte. Doch es ist Gottes Teppich. Aus geheiligten Fäden gewoben, ist dieser Teppich für viele kein unüberwindbares Hindernis.
Es gibt kein Innehalten und auch keine Umkehr, geschweige denn ein Rückblick. So bleibt es für die Kuttenträger und ihre Freunde nicht im Sichtfeld, dass Tausende mit vereinten Kräften eine Ecke des Teppichs angehoben haben. Täglich kommen Neuankömmlinge hinzu. Wahrheitsliebende, Ehrenbürger und jene die sich Gott – nicht den kirchlichen Doktrinen – verschrieben haben sowie alle die nach ihrem Kirchenaustritt die freigewordenen Kapazitäten nicht ungenutzt lassen wollen.
Einmal mit der Bergung begonnen, rollt mancher Dreck in riesigen Quadern aus dem Dunkel hervor, während anderer mühsam freigelegt werden muss. Immer mehr reden von den Teppicharchäologen, weil sie mit Pinsel und feinstem Werkzeug ans Werk gehen.
So in etwa lässt sich das Bild beschreiben, dass die Kirche derzeit bei mir hinterlässt. Es ist ein Bild. Es gibt viele mehr.
Seit 2010 ist bekannt, dass über Jahrzehnte Geistliche in katholischen Einrichtungen Kinder missbrauchten. Seit 2010 schuldet die Kirche uns allen die umfassende Aufklärung. Doch alles ruht.
Die Kirche gilt bundesweit als einer der größten Arbeitgeber. Kaum jemand hinterfragt das. Getreu dem Motto: ‘Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!’ begehren die Menschen nicht auf. Dumping-Löhne werden ebenso hingenommen wie massive Eingriffe in die Privatsphäre. Selbstverständlich kann die Kirche die Regeln bestimmen.
Mitarbeiter können wie im Fall Rauschendorf12 entlassen werden, weil sie nach einer ohnehin sündigen Scheidung erneut heiraten wollen.
Andere müssen gehen oder ihre Leistung wird in Abrede gestellt, da sie sich zu ihrer Homosexualität bekennen.
Kaum wundert der Skandal um die vergewaltigte Frau, die an einem katholischen Hospital abgewiesen wurde. Selbstverständlich ist auch, das selbst im Falle einer Behandlung die Beratung hinsichtlich der Verhinderung einer durch eine Vergewaltigung verursachte Schwangerschaft nicht vollständig ist. Denn die Pille danach ist ebenso Teufelswerk wie eine Abtreibung. Absurder weise käme besagte Frau im Sinne der Kirche wohl besser weg, würde sie ihren Vergewaltiger töten. Bei anschließend kundgetaner Reue, Beichte und Buße, würde ihr dies vergeben werden. Wie hoch der Preis wohl dann für ein Menschenleben wäre. 10 Rosenkränze oder eher mehr? Weniger?
So schien die kirchliche “Firmenpolitik” schon immer kritikwürdig, aber im Grunde schwer beeinflussbar. Letzteres ist in gewisser weise noch immer so. Nach wie vor erscheint es schwer, Einfluss auf diese Machenschaften zu nehmen. Dieser Blogartikel soll ein kleiner Beitrag dazu sein auf die Hintergründe aufmerksam zu machen. So war vermutlich neben mir vielen nicht bewusst, wie stark sich die Kirchen mit fremden Federn schmücken.
Oder war etwa allen klar, dass die Kirchen ihre Einrichtungen nicht selbst finanzieren? Inzwischen ist bekannt, dass die Kirchen die öffentlichen Einrichtungen wie Kitas, Krankenhäuser und Pflegeheime nicht aus dem Kirchensteuertopf finanzieren. Auch ansonsten haben sie dafür kein Budget vorgesehen. Maximal 10 Prozent der Kosten werden von der Kirche getragen. Alle übrigen Kosten finanziert der Steuerzahler und zwar ungeachtet dessen, ob ein Bürger zur Zahlung von Kirchensteuer verpflichtet ist oder nicht.
Sieht man die jeweiligen Einrichtungen als Unternehmen so ist es schon erstaunlich, dass ein Anteilseigner mit 10 Prozent Firmenanteil die Regeln des Unternehmens maßgeblich bestimmt. Das ist einzigartig.
Es wird Zeit sich weiter zu wehren. Zu einer modernen Gesellschaft gehört es dazu gemeinsam für mehr Toleranz und Menschlichkeit einzustehen. Die Kirchen haben hier versagt. Es ist an der Kirche sich zu positionieren, den Teppich selbst aufzurollen, den Dreck darunter offen zu legen zu beseitigen.
Es wird höchste Zeit, dass sich der Staat nicht länger zum Büttel der Kirche macht. Es gilt den Klingelbeutel in die Hände der Kirche zurück zu geben. Der Staat sollte nicht als verlängerter Arm der Kirche Steuergelder eintreiben. Soll die Kirche selbst sich als konkurrierendes Großunternehmen am Markt behaupten müssen. Mit dann 100 Prozent Firmenanteilen obliegt es ihnen die Melodie vorzugeben. Es steht zu vermuten, dass sie dann wohl ein neues Lied würden komponieren müssen.
Gerade kam die Eilmeldung, dass der Papst zurücktritt. Mal sehen, ob der Nachfolger eine andere Flöte spielen kann.
- Spon: Katholische Moral. Kindergartenkampf in Königswinter vom 23.03.2012 [↩]
- Spon: Arbeitgeber Kirche. Getauft für den Job vom 14.01.2013 [↩]
Der Nächste Bitte!
7. Feb 2013 von Laja
Es ist Montagmorgen exakt 9.00 Uhr MEZ. Alle Morgenaktivitäten waren auf genau diese zeitliche Punktlandung ausgerichtet. Das Telefon rattert leise während es wählt, in mir steigt eine zarte Nervosität: ‘Warum klingelt das nicht? Was dauert das so lange? Funktioniert wieder diese dusselige Telefongeschichte nicht?’ Doch dann: Besetzt. Na toll..’, denke ich bei mir, bleibe aber hartnäckig an der Wahlwiederholungstaste. Nach dem dritten Versuch ist endlich das Freizeichen zu hören. Inzwischen ist es 9.05 Uhr. Es klingelt und ich lasse es klingeln. Irgendwann werde ich aufgefordert eine PIN-Nummer einzugeben. Da ich die nicht habe, lege ich auf. Erneut die Wahlwiederholung, erneut die Aufforderung zur PIN-Eingabe, erneut meldet sich keiner. Meine Mundwinkel richten sich gen Boden. Ein letzter Versuch. Es ist 9.15 Uhr als endlich jemand abhebt.

“Praxis Dr. ….”, krächzt mir die Sprechstundenhilfe in unnachahmlicher Manier ins Ohr. Sie ist die gute Seele der Praxis aber auch ein wahrer “Besen”. Eine Frau mit der man sich nicht anlegen möchte. Sie dürfte Mitte 50 sein, ausgestattet mit einer Stimme die an mindestens zwei Schachteln Lucky ohne und einen guten alten Whiskey erinnert. Das kombiniert mit einer Haltung, die einen stramm stehen lässt. Gleichzeitig ist sie eine der einfühlsamsten Sprechstundenhilfen. Um das zu bemerken, muss man allerdings ein zweites Mal hinsehen und die ersten Respekt einflößenden Momente überstanden haben.
Aus dem Gefühl heraus, dass sie nicht viele Worte mag, formuliere ich mein Anliegen in Kürze. Ohnehin hat sie ein elefantöses Gedächtnis, so dass sie genau weiß, wer ich bin. Ich dachte, dieses Mal mache ich alles richtig. Ich verursache ihr keine schlechte Laune an einen Montag. Ich rufe brav an und frage, wann ich kommen darf. “Tja”, sagt sie. “…ich habe schon 10 wie sie dazwischen geschoben.” “Ohje,” sag ich mitfühlend und ruhig “das dachte ich mir fast und dann ist ja auch Montag. Deshalb rufe ich an, vielleicht können sie mir eine Zeit sagen? Ich kann heute ohnehin nicht arbeiten, insofern…” “Ich habe doch gerade gesagt, dass ich schon 10 von ihnen dazwischen geschoben habe?”, poltert sie los und es fehlt nur noch ein “Sie Dussel” am Ende des Satzes. Erschöpft und resigniert zugleich frage ich einfach nur noch “Und nu?” “Mein ganzer Terminplan ist eh hinüber”, sagt sie daraufhin etwas milder “Ich leg sie jetzt mal raus und dann würde ich sagen sie kommen gleich!” Ich sage nicht, dass ich noch in desolatem Zustand in der Küche stehe, die Haare zu Berge, ungeduscht, fiebrig. Auch erwähne ich nicht, dass ich ja noch Bahn fahren muss. Nein, all das ist unwichtig. “Ok!”, höre ich mich sagen. “Ich zieh mich an nur schnell und mach mich auf den Weg.” “Ja, machen sie das. Wie gesagt ich leg sie jetzt raus. Am Besten sind sie vor 10 hier, weil dann kommt sicher noch ein Schwung, wenn die alle mal ausgeschlafen haben.” “Ja ist gut, danke! Bis gleich!”, antworte ich gehorsam und lege auf.
Ein Blick auf die Uhr sagt mir es ist 9.20 Uhr. Die Bahn braucht…ich laufe…also insgesamt 15 Minuten für den Weg, duschen…Haare föhnen…egal. Ich eile ins Bad. Mein Zustand ist eigentlich derart entschleunigt. Ich staune über die Reserven, die so ein Körper haben kann, als ich unter der Dusche stehe und mich am Ende mit kaltem Wasser abschrecke wie ein Ei.
Als ich letztlich um 9.50 Uhr in die Praxis stolpere, begrüßt sie mich mit einem freundlichen Lächeln. Ihr Blick sagt so etwas wie “Geht doch”. Erst als ich im Stuhl sitze merke ich wie sehr mich diese Morgenaktion erschöpft hat.
Doch zunächst betrete ich das Wartezimmer. Schön, es gibt noch freie Stühle. Im Halbkreis sind diese um einen Tisch aufgestellt. Egal wo man sitzt, behält man so die Tür und die Garderobe im Blick. Jeder der den Raum betritt muss sich musternden Blicken unterziehen. Das An- und Auskleiden wird studiert. ‘Striptease gefällig? Oh, Verzeihung, bin schon gedankenstill.’
Eigentlich wäre auch in meiner Ecke noch Platz. Meine Ecke ist die einzige Ecke in der mein Handtelefon so etwas ähnliches wie eine Verbindung zur Netzwelt herstellen kann. Gut drei von den Stühlen sind wohl unbenutzbar. Nicht das es nicht ohnehin schon skandalös ist, dass überhaupt schon jemand in meiner Ecke sitzt. Dieser Mitpatient sitzt nicht nur dort, er hat die besagten Unbenutzbarstühle auch noch um sich herum gestellt. Irgendwie traue ich mich nicht, diesen Wall aufzulösen. Wer weiß welch Geistes Kind er ist und gerade kann ich keine psychiatrieverwandte Szene ertragen. Meine Hoffnung, dass auch ein anderer – der Außenwand naher – Sitzplatz mit meinem Handtelefon kompatibel ist, lässt mich anderenorts Platz nehmen. Es klappt. Ich bin drin – also in der Warteschleife mit Netz.
Doch das Wartezimmer ist spannender.
Erschöpft sinken meine Hände in den Schoß und ich schau mich um. Neben dem Wasserspender ein junger Typ. Vielleicht Anfang 20. Er atmet schwer und geht bereits zum zweiten Mal auf’s Klo. Der Ärmste hält sich den Bauch und stöhnt leise. Mir gegenüber ein Mann mit verschleiertem Blick. Ist sicher so einer wie ich mit Fieber. Zwischen uns als grippalem Infekt 1 und 2, die in der Runde von 3, 4 und 5 verstärkt werden, gibt es noch die Omiopapa-Päarchen. Sie gehen immer zusammen zum Arzt. Er hilft ihr aus der Jacke und später, wenn sie gemeinsam beim Blut abnehmen waren und mit dem Herrn Doktor gesprochen haben, auch wieder in die Jacke hinein. Sie sitzt ihm zugewandt leicht schräg im Stuhl. “Schau mal,” flüstert sie “da ist ein Buch von Marrokko!” Er nickt und knurrt leise als Zeichen der Zustimmung. Dann ist sie weg, ganz weit weg. Opapa ist etwas langweilig. So spielt er mit seiner Krücke als wolle er Jonglieren üben, zählt die Löcher, zuckt anschließend mit den Schultern und überlegt wohl noch, ob er sie verlängern oder verkürzen soll.
Der Psychiatrienahe mit dem Stuhlwall schaut verstohlen über den Rand seiner Pressezirkelzeitschrift. Er ist sicher hinter seinem Wall und doch scheint er das Bedürfnis zu haben, die Umsitzenden im Blick behalten zu wollen.
Zwischendurch klingen Gesprächsfetzen vom Anmeldetresen in den Raum. Anonymität ist hier nicht gegeben. Es ist auch egal. Hier zählt die namentliche Begrüßung. Ein Rezept hier, eine Überweisung dort. Ein einfaches vorbeischauen, weil man persönlich einen Termin abstimmen will. Kleine und große Nöte. Erzählungen über die lästigen Symptome und den letzten Urlaub oder den Besuch der Kinder und Enkel. Immer wieder Anrufe in einer Tour: “Ja natürlich Frau Möller, sie müssen die Tabletten schon so nehmen wie der Doktor gesagt hat. … Achso, ja wo haben sie sie denn zuletzt gesehen. Schauen sie doch nochmal in ihrer Handtasche nach. … Ach da sind sie nicht, hm. … Bestimmt finden sie sie noch. Kommt ihre Tochter heute?…”
Ein älterer Mann tritt an den Tresen. Seine Stimme klingt nach letzter Hoffnung als er sein Anliegen vorträgt: “Wissen Sie, ich fahre morgen nach England!”, berichtete er mit leichtem Akzent. Der Akzent ist so fein, dass man ihn fast überhören könnte. Der freundlichste Tresenbesen der Stadt hört zu “….und die Lufthansa sagt, dass das mit meinem Gehwagen nicht geht. Ich muss den verpacken und das kann ich einfach nicht mehr. Da hab’ ich mir gedacht, ob der Doktor mir wohl einen Stock verschreiben kann, dann geh ich da in das Fachgeschäft und besorg mir den. Ich kann doch sonst gar nicht laufen.” Die Art wie er erzählt rührt mich stande pete an und lässt mich über die Lufthansa nur den Kopf schütteln. Tja Servicewüste Deutschland. Ob sie von einem Rollifahrer auch gefordert hätten er soll mal in die Maschine robben, den Rollstuhl muss er abgeben. Nagut lassen wir das heute.
Glücklicherweise muss ich nicht oft zum Arzt, doch es ist immer wieder beeindruckend. Gäbe es einen passenden Orden, so würde ich meinen Tresenbesen für die Verleihung vorschlagen. Sie führt ihre Praxis mit harter aber herzlicher Hand. Bestimmt ist sie nicht nach jedermanns Geschmack, doch das Gute ist, das ihr das völlig egal ist. Vor ihrem Tresen sind alle gleich. Ob privat versichert oder Kasse, ob alt oder jung. Zwei Klassen gibt es bei der Termineinteilung und Betreuung zumindest nicht.
Das Wartezimmer leert sich. Aufruf um Aufruf. Es ist gegen 11.00 oder so als ich meinen Namen höre und sie mich gleich einer Stewardess dem richtigen Behandlungszimmer zuweist.
Werbung die sich sehen lassen kann
3. Feb 2013 von Laja
Auch in diesem Jahr haben sich manche der großen Konzerne ihre Werbung einiges kosten lassen, die sie anlässlich des American Football Super Bowls an den Start schicken.
Und noch was für’s Herz…
It’s only Rock n’ Roll
2. Feb 2013 von Laja
Source: jackthreads.com via Mai Spy on Pinterest
#Aufschrei #shoutingback oder: Alltagssexismus eine Debatte mit Ecken und Kanten
27. Jan 2013 von Laja
Zugegeben – es gibt schon lange Diskussionen rund um Feminismus, sexuelle Gewalt, genderspezifische Sprache/Erziehung/Berufswahl/Bildung. Fragen wie: geht das überhaupt in Ordnung, das mit dem großem “I” oder nicht. Sind Männer per se verkappte Vergewaltiger und eigentlich nur die Frau das stets unschuldige Wesen und immer Opfer. Das sind “Fragen”, die mich müde machen und erschöpfen. Schon häufiger juckte es mir in den Bloggerfingern, doch am Ende hatte ich keine Lust mich an irgendeinem polarisierenden Schlagabtausch zu beteiligen. Schließlich reichte es noch nicht einmal um mich aufzuregen. Vermutlich wäre wohl auch die aktuelle Diskussion an mir vorbei gerauscht, hätte mich nicht meine männliche Lebenshälfte darauf aufmerksam gemacht.
Die Thematik, die hinter Hashtags wie #shoutingback oder #aufschrei, Filmen wie “Femme de la rue” oder “War Zone” steckt, bietet neben dem üblichen Gequake die perfekte Möglichkeit fernab von den üblichen Schwarzweißstrukturen zu diskutieren. Ein Thema das sich für mich nicht in 140 Zeichen plus Hashtag verpacken lässt, also wird es hier verbloggt.
Das erste Mal, dass ich über mein Verhalten und das anderer Menschen auf der Straße nachdachte, liegt viele Jahre zurück. Wir saßen mit mehreren und diskutierten genau das Thema sexualisierte Gewalt und Alltagssexismus. Ein Freund beschrieb, dass er grundsätzlich die Straßenseite wechselt, wenn er (nachts) hinter einer alleingehenden Frau läuft. Er wisse aus Gesprächen, wie sehr manche Frauen solche Situationen unter Stress stellen könnten. So sei es für ihn ein Leichtes einfach die Seite zu wechseln, in der Hoffnung ihr somit die Angst zu nehmen, sie werde verfolgt. Mich hat so viel Feinsinn, Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme in einer so vermeintlich belanglosen Situation beeindruckt. So sehr, dass mir dieses Gespräch bis heute in Erinnerung geblieben ist. In den folgenden Jahren traf ich immer wieder auf Männer, die das ebenso halten. Männer die ihren Schritt verlangsamen, die Straßenseite wechseln oder ähnlich rücksichtsvoll agieren. Für mich war es damals aber der Anlass überhaupt einmal darüber nachzudenken, wie es mir im Alltag eigentlich geht. Ähnlich wie viele andere Bloggerinen und Journalistinnen in den letzten Tagen schrieben, geht es fast unter. Man merkt die eigene Anspannung kaum. Es wird normal.
Ich habe mich überwiegend in Großstädten bewegt – sowohl tagsüber als auch nachts. Manchmal in Stadtvierteln die als gefährlich galten. Es ist zu überlegen, wo du als Frau am Hamburger oder Frankfurter Bahnhof längs gehst. Männer sollten sich darüber wohl auch ihre Gedanken machen, doch ich denke, deren “Gefahrenzeiten” sind dort eher auf die Nächte beschränkt. Es gibt viele Gebiete, die wohl für beide Geschlechter heiße Zonen sind. Der Jungfernstieg in Hamburg ist beispielsweise in jüngster Vergangenheit bekannt geworden durch verschiedenste gewalttätige Übergriffe insbesondere auf Männer. Aber irgendwie ist das noch einmal eine andere Qualität. Das sind die Jugendgangs die ihren Abziehdelikten frönen, dabei keine Verluste machen wollen, so dass Waffen schon zum guten Ton gehören. Alltagssexismus ist zuweilen feiner, leiser und indirekter. Alltagssexismus ist vielschichtiger.
So ist es für mich nicht mal eben normal aus der U-Bahn kommend, die vierspurige Straße unterirdisch zu überqueren. Der Weg mag schneller und kürzer sein, doch sicherer erscheint es die Treppe hoch zu gehen und bei Wind und Wetter an der Ampel auf grün zu warten.
Es gibt kein entspanntes von A nach B gehen. Irgendwie sind alle Sinne geschärft. Manchmal fühlt es sich an als hätte ich auch am Hinterkopf Augen. Fester Schritt. Kein unsicheres Umdrehen. Nicht zu schnell und nicht zu langsam gehen.
S-Bahn fahren findet für mich ab einer gewissen Uhrzeit nur im ersten Waggon statt. Dabei ist es egal ob es eigentlich bequemer wäre in den x-ten Waggon einzusteigen, der direkt neben der Treppe hält. Wenn es sich vermeiden lässt, fahre ich an langen Arbeitstagen gleich mit dem Auto, um mich dem gar nicht auszusetzen. Die Menschen im Waggon werden dennoch gescannt, gezielt ein Platz ausgesucht bei Menschen, die im eigenen Raster als ungefährlich klassifiziert werden. Das ganze ist so geübt, dass es nur Sekunden dauert. Kopfhörer in den Ohren schützen vor blöden Ansprachen. Selbst wenn ich keine Lust auf akustische Beschallung habe. Das verbunden mit dem vermeintlich starren Blick aus dem Fenster, der einzig dazu dient, die sich in der Scheibe spiegelnden Menschen im Blick zu behalten.
Das ist normal. Das ist in Fleisch und Blut übergegangener Alltag. Und dennoch schützt das alles nur bedingt. Selbst meine Körperhöhe von über 180 cm hält die Niedrigeren nicht ab. Es gibt sie diese Typen. Typen wie der, der mich in dieser Woche von der U-Bahn ein Stück begleitete, an der Ampel sehr dicht aber noch nicht zu dicht auf die Pelle rückte und “Allez, allez….” sang. Ein Typ der seinen Schritt in gleicher Frequenz beschleunigte wie ich. Einer der mich nervös machte, was dazu führte, dass ich meine “Waffen” schärfte, bis er am Ende abbog und sich erst aus einiger Entfernung in den Schritt griff. Manchmal möchte ich mit dem Fuß aufstampfen und einfach nur ungefiltert brüllen: “Du verdammter Pisser, es ist auch meine Stadt, meine Bahn, mein Weg, nicht nur deiner!” Ich möchte ihn anschupsen, meine Hand um seine Eier krallen: “Vor allem ist es mein Arsch mit dem ich wackeln wie wie es mir gefällt, ohne auch nur einen Kommentar von einem Typen wie dir zu hören, der niemals in meiner Liga spielen wird.” Doch am Ende bleibt es bei nonverbalem Zurück-Blick-Kampf oder Flucht.
Doch solche Erlebnisse sind wahrlich selten. Zum Glück! Zumindest kann ich das für mich so sagen. Eher sind es Blicke, die “Auf-dem-Bahnsitz-Dichtrücker”, seltener sind Ansprachen, noch seltener Berührungen. Doch wie gesagt, nur meine Erfahrung.
Es geht für mich nicht in erster Linie um die Aneinanderreihung verschiedenster Beispiele. Es geht um ein Grundgefühl. Es geht darum, das ich nicht gedankenlos und mich immer sicher fühlend durch die Stadt gehen kann. Ein Phänomen, welches Männer im Übrigen teilweise ähnlich erleben. Aus Gesprächen weiß ich, dass es Männer gibt, die ebenso die Bahn scannen, die bestimmten Leuten nicht den Rücken zu drehen oder gleich an exponierter Stelle in Türnähe den Großteil des Wagens im Blick behalten.
Eine weitere Facette drängt sich bei der Beschäftigung mit diesem Thema auf. Das ist der Sex in dem Wort AlltagsSEXismus. Sex ist seit Urzeiten einer der größten Motoren im menschlichen Miteinander. Es ist illusorisch zu glauben das aus unserem Alltag jedweder Sex verschwindet. Im Übrigen glaube ich auch nicht, dass das gewünscht ist. Man stelle sich vor, das neue sexy Outfit führe zu keinerlei Reaktionen. Kein anerkennender Blick, kein flirtiges Zwinkern, kein Lächeln, keiner der im letzten Moment dem – wie im besten Slapstick – dem Laternenmast ausweicht. Wie viele von uns wären dann maximal irritiert und würden an sich zweifeln, statt mit zufriedenem Lächeln die eigenen Silhouette im Schaufensterspiegelbild zu betrachten und den Hüftschwung zu perfektionieren. Doch wo genau liegt die Grenze und wer legt diese fest? Ist der pfeifende Bauarbeiter noch in Ordnung oder nicht?
Ja und schon sind wir an der Stelle, wo deine Grenze nicht gleich meine sein muss. So viele Spielarten wie es in der Sexualität gibt, gibt es Grenzen in menschlichen Begegnungen. Wir sind verschieden. Manche neigen dazu jeden Fettnapf mitzunehmen. Manchen ist es schlichtweg egal wie es dem Gegenüber geht, weil sie das Mackergetue für ihren eigenen Selbstwerterhalt brauchen. Andere sind einfach nur gedankenlos. Wir werden schwerlich alle unter einen Hut bringen. Es gibt keine genormten Grenzen. Das bedeutet nicht, dass wir alles hinnehmen müssen und schulterzuckend feststellen, dass sich ohnehin nichts verändern lässt. Wir Frauen haben eine Chance, wenn wir weiter an der Basis arbeiten. An der Basis die man mit gesellschaftlicher Grundhaltung bezeichnen könnte. Es lohnt sich um die Augenhöhe zu kämpfen, die Männern wie Brüderle und Co. völlig abgeht. Es lohnt sich, sich zu wehren und gegen die Männer an zu diskutieren, die Frauen als nettes Beiwerk und Zierde sehen und behandeln. Ziel sollte dabei sein, Frauen und Männer auf eine Wertigkeitsstufe zu stellen. Dinge wie gleiche Löhne für Männer und Frauen, gleiche Berufschancen sind nur zwei Beispiele für noch viele Punkte, die es anzugehen gilt. Gelingt hier ein Umdenken bin ich überzeugt, das dies insgesamt zu einem wertschätzenderen und respektvolleren Umgang führen wird.
Bis dahin ist es noch eine gewisse Wegstrecke. Diskussionen wie die über Alltagssexismus und Brüderles Benehmen müssen einen Platz haben. Sie sind ernst zu nehmen und ernsthaft zu führen. Schön wäre es, wenn Hysterie ebenso wenig Platz hätte wie Chauvinismus. Es geht (mir zumindest) nicht um Verurteilung, es geht darum Zustände anzuprangern und zu sensibilisieren.
Wer weiß, was sein Handeln auslöst, wird es verändern, so lange es kein kranker Geist ist. Daher hoffe ich, dass die Diskussion um Alltagssexismus oder artverwandte Themen nicht abreißt und sich am Ende positiv auswirkt.
Weitere Links:
Blogs, Briefe und Aufschreie – Linktipps zur Sexismus-Debatte; Süddeutsche.de
Normal ist das nicht von Kleinerdrei
Wie ein Hashtag die Sexismus-Debatte verändern kann; Süddeutsche.de
Atmen, Hecheln, Pressen!
12. Jan 2013 von Laja
So oder so ähnlich dürften die Niederkommenden durch die Geburt gelotst werden. Glaubt man Joey, der sich gerade durch das Dschungelcamp schlägt, so gibt es hier eine Parallele zum Thema Angstüberwindung. Sein noch ganz atmenloser Kommentar nach der überstandenen Dschungelprüfung: “Das ist wie bei einer Geburt. Da presst man.”
Spon schreibt über ihn heute:
Erwähnenswert ist immerhin Joey Heindle, ein 19-Jähriger Castingshow-Dropout, der sich durch unkontrolliert dummes Geschwätz auffällig macht und damit wahrscheinlich in kürzester Zeit seine Mitbewohner in den Wahnsinn treiben wird. Ungläubig lachend hört man ihm zu: Wie kann einer so doof sein?
Und zack, da ist es wieder. Da sitzt die Nation vor den Flimmerkisten und erfreut sich an der Blödheit anderer Menschen. Und ja ich bekenne, auch ich habe dazu gehört und werde wohl auch noch die ein oder andere Folge ansehen. Ganz sicher werde ich dann auch häufiger schallend lachen, wenn Joey seine Ergüsse raushaut.
Was mir an dieser Stelle nur wichtig ist: der Kleene ist intellektuell ein Dünnbrettbohrer und geistiger Tiefflieger aber vergesst mal nicht den EQ. Der Junge ist ein Kämpfer, der sich schon durch andere Dinge durchbeißen musste. Ich glaube nämlich emotional ist der ganz weit vorne. Denn: es stimmt Angst überwinden ist wie atmen, hecheln, pressen, geschafft!
Wir dürfen also alle gespannt sein. Frei nach Joey: “Ich schwör’ Alder!”, am Ende gibt es eine neue Welle in der Philosophie. “Joeyismus” oder besser die Heindle’sche Lehre wird noch von sich reden machen.
Heeeerlich – einmal Simon’s Cat auf Eis
9. Dez 2012 von Laja





