Beiträge
Kommentare

Lange habe ich überlegt, ob ich mich in die Reihen derer eingliedern soll, die über die Ereignisse rund um die Loveparade bereits berichtet haben.
Ich war nicht dabei, ich habe niemanden vor Ort gekannt und doch habe ich das Geschehen in den letzten Tagen mit Betroffenheit und Mitgefühl verfolgt. Der @ennomane brachte es in seinem Blogartikel recht gut auf den Punkt

“Betroffen”, das ist so ein Wort aus dem Gutmenschen-Vokabular. Wer es gebraucht, riskiert, dass ihm Falschheit unterstellt wird. Mag sein, dass die Betroffenheit zur Floskel verkommen ist, weil es die Political Correctness gebietet, in bestimmten Situationen Betroffenheit zur Schau zu stellen. Flugs stellten sich die ersten Beschimpfungen ein. Wer sich auf Twitter betroffen zeigte, wurde unterstellt, dies nur für die Öffentlichkeit zu tun.

Allein diese im Netz verbreitete Haltung bestätigte mich in meinen Überlegungen eben nichts darüber zu schreiben. Hinzu kam, dass bereits so viele Menschen in den verschiedensten Medien Stellung bezogen hatten und ich nicht mit Neuigkeiten aufwarten kann.
Weder wollte ich jene verurteilen die Twitter nutzten, ob als Ventil für erste bestürzende Emotionen, zur Nachrichtenübermittlung, oder für die vielfach gesehenen Suchmeldungen. Noch wollte ich mit einstimmen in das Finden eines Schuldigen, den man dann “hängen” kann. Damit wir endlich jemanden haben, gegen den sich diese hilflose Wut richten kann, die viele umtreibt. Auch lag mir nicht daran, mich über die empathie- und sinnbefreiten Worte einer Frau Hermann auszulassen.
Meine Fachlichkeit liegt zudem nicht darin, fundierte Einschätzungen abzugeben und ich spreche diese den meisten zum jetzigen Zeitpunkt noch ab. Es gibt Leute, die mir dadurch sympathisch sind, dass sie sich mit den Ereignissen befassen, ohne für sich das Allwissen zu beanspruchen. Hier fällt mir Lars Fischer ein, der sich in seinem Blog mit der Frage: “Loveparade-Unglück in Duisburg: War der Eingang groß genug?” unter physikalisch-mathematischen Gesichtspunkten befasste.

Heute nun gibt es jedoch einen Grund, warum ich mein ursprüngliches Vorhaben nichts schreiben zu wollen aufgegeben habe.
Hintergrund ist, dass DerWesten heute einen längeren Artikel mit dem Titel “Augenzeuge filmte Loveparade-Panik an der Treppe” veröffentlichte. Auf YouTube hat ein Student aus Süddeutschland unter seinem Account „pizzamanne“ eine rund 35-minütige Chronologie der Ereignisse hochgeladen. Er selbst war in der Masse eingeschlossen. Diese Videos zeigen die Tragödie in einer derart intensiven Form, dass diese teils nur für angemeldete Nutzer ab 18 Jahren zugänglich gemacht wurden. Überlegt daher gut, ob ihr die Videos ansehen wollt!

Pizzamanne möchte anonym bleiben, will aber das Videomaterial der Polizei und Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen. Vorallem aber möchte er das Mädchen finden, dessen Hand er hielt, als sie schon von anderen Körpern zu Boden gedrückt worden war. Er hatte es nicht geschafft sie hochzuziehen.

Stattdessen habe ich 15 Minuten lang ihre Hand gehalten und immer wieder auf sie eingeredet, dass sie durchhalten soll. Irgendwann löste sich das Gedränge auf, und ich konnte ihr aufhelfen.

Meine Intension ist vielleicht einen kleinen Betrag dazu zu leisten, dass sich die Suche von pizzamanne verbreitet.

Ein weiterer Grund liegt für mich in der “Macht”der Öffentlichkeit. Es wurde in unglaublicher Geschwindigkeit eine Öffentlichkeit hergestellt, die es unmöglich macht, Dinge langfristig unter den Teppich zu kehren. Je stärker die Öffentlichkeit ist, desto höher wird der Druck auf jene werden, die schon längst hätten Verantwortung übernehmen müssen.
Deshalb und nur deshalb finde ich die Verbreitung derartiger Bilder gut und wichtig. Huck Haas hat einen sehr eindrucksvollen und persönlichen Artikel geschrieben, den ich allen ans Herz legen möchte. In diesem schreibt er zu diesem Teil des Themas:

Ich finde die Demokratsierung der Bilder von der Basis wichtig. Sie sind voll der Härte und das verzweifelte Schreien der eingeklemmten Menschen klingt extrem nach. Wir Zuschauer können nicht die ganze Verzweiflung begreifen und nachvollziehen, aber so ist sie ein bisschen gegenwärtig, man versteht ein bisschen warum selbst gestandene Sanitäter weinend zusammengebrochen sind. Man kann es erahnen. Ich glaube man muss es sich auch anschauen um irgendwas zu begreifen. Und dann sollte der Gedanke einmal weg von der eigenen Unzulänglichkeit und der Selbstbetroffenheit, was man doch für eine arme Sau ist, weil man diesen schier unfassbaren Inforamtionen aus dem Internet ausgesetzt ist, dann sollte der Gedanke immer den Opfern gelten.

Und so möchte ich auch hier abschließen. Pizzamanne ist nicht der einzige Mensch, der unter den Folgen einer massiven Traumatisierung zu leiden haben wird. Ich kann nur allen Beteiligten, Angehörigen und Hinterbliebenen wünschen, dass sie die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

|

chemicalbrothers Further ist das siebte Studioalbum der Chemical Brothers, das im Juni erschienen ist.
Gemeinsam mit den Videokünstlern Adam Smith and Marcus Lyall erarbeiteten sie zu jedem ihrer acht Titel je einen Videoclip.

“Another World” ist ein Titel, der mir sehr gut gefallen hat, dazu der Clip… Doch seht selbst.


[via]

|

… ist ein Satz den ich ihr zurufen mag.
Doch beginnen wir am Anfang. Als ich mitbekam, dass Anne Clark am 25. Juli in der Fabrik in Hamburg auftritt, war ich sofort Feuer und Flamme. Seit nunmehr 20 Jahren begleitet mich ihre Musik durch meine ganz eigene Musikgeschichte. Vieles hat sich verändert, doch Anne Clark ist geblieben. Besonders reizte mich immer an ihr, dass sie es schafft mit ihren Songs zu berühren. Das sind für mich eben Bauchlieder, sprich Songs die man fühlen kann. Außerdem liebe ich ihren londoner Akzent.
img_0085
Alle die Anne Clark kennen, würde ich langweilen, wenn ich mich hier zu sehr auslasse.

Auch wenn uns nur Handymitschnitte gelungen sind, die natürlich qualitativ nicht die Wunderwaffe sind, so finde ich vermitteln sie einen Eindruck.
Ich habe zumindest beim erneuten Ansehen von ‘Our Darkness’ eben noch einmal eine Gänsehaut bekommen. Beim Konzert selbst hat sie und mit diesem Titel wahrhaftig geflasht.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass auch ihre alten Hits, wie ‘Our Darkness’ und ‘Sleeper in Metropolis’ – beide von 1984 – neu interpretiert wurden. Zu diesen Versionen kann ich nur sagen ‘Applaus!’ oder wie es ein lieber Freund ausdrückte “Welcome in 2010 – Mrs. Clark!” In der Tat, der Transfer ist ihr gelungen.
Doch seht selbst. Wer den Vergleich hören bzw. sehen möchte folgt einfach den am Ende dieses Beitrages stehenden Links123

‘Sleeper in Metropolis’ gab es dann in der Zugabe. Glaubt mir, es hätte nicht enden müssen*seufz

Wie echte Groupies schafften wir am Ende noch einen kurzen Kontakt mit der Queen.


Auch wenn es zu dem anschließenden Kneipenbesuch mit ihr nicht mehr kam, immerhin wissen wir nun, dass sie selbst ebenfalls darüber nachdenkt, die aktuellen Konzert-Versionen ihrer Songs zu veröffentlichen, weil diese doch insgesamt sehr gut ankamen. Bisher sind sie auf den USB-Sticks, die sie Vorort verkaufen noch nicht drauf. Ob sie darauf landen werden oder gar auf einem anderen Medium? We will see!
Ach und zu guter letzt: ich hab mein Autogramm *wedel* imag0071

  1. Our Darkness []
  2. Sleeper in Metropolis []
  3. Myspace []
|

Seit dem 07. Juli 2010 läuft die neueste Kampagne von Amnesty International. Anlass ist der neue Bericht “Täter unbekannt – Mangelnde Aufklärung von mutmaßlichen Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland”.
Das folgende Video zeigt drei Fälle aus dem aktuellen Bericht, in denen niemand zur Rechenschaft gezogen wurde.

Besonders in letzter Zeit waren gewaltsame Übergriffe durch Polizisten immer wieder ein Bestandteil der Medienberichterstattungen. Ob auf der “Freiheit statt Angst”-Demo oder im Fall des Polizisten, der am 1. Mai einen Demonstranten gegen den Kopf trat (hier hatte ich es verbloggt). Immer wieder erwies es sich als unsäglich schwer die Polizisten, die wegen übermäßiger Gewaltanwendung oder Misshandlungen auffällig worden waren, zur Rechenschaft zu ziehen. Zu dicht ist noch immer der Korpsgeist, der dazu führt, dass die Täter oftmals unbekannt bleiben. Aus meiner Sicht kriminalisieren sich die Polizisten durch so ein Verhalten selbst. Sie schützen Täter und dulden somit Straftaten, gegen die sie eigentlich berufsbedingt vorgehen müssen. Diejenigen, die sich dagegen stellen, haben in der Folge häufig massive Probleme und sind verschrien als Netzbeschmutzer. Der Artikel “Wegen Sex-Attacke in eigenen Reihen ermittelt” in der Main Post vom 22. Juli beschreibt sicher nur einen Fall von mehreren.

Mit meinem Beitrag hier möchte ich nicht einstimmen in eine Antipolizeihysterie. Diese kann erfahrungsgemäß schnell in Gegengewalt umschlagen und das brauchen wir alle so nötig wie einen Finger im Auge. Amnesty selbst weist darauf hin, dass Polizeigewalt in Deutschland nicht systematisch ist. Aber: jeder Einzelfall ist ein Einzelfall zu viel.
Daher möchte ich die Forderung “Mehr Verantwortung bei der Polizei” unterstützen, die in der aktuellen Kampagne zum Ausdruck kommt.
Den Satz “Transparenz schützt Menschenrechte” kann ich nur unterschreiben.
Teil der Kampagne ist eine Online-Demo. “Machen Sie unsere Forderungen auch zu Ihren Forderungen! Beteiligen Sie sich an unserer Online-Demo und schicken Sie eine E-Mail an den Bundesinnenminister. Jede Stimme zählt.”
Einfach hier auf “Mitmachen” im Banner klicken und man wird automatisch weitergeleitet. Es ist ganz einfach und braucht nicht viel Zeit – also ran da!

|

… also dein unverschleiertes Gesicht.
Schaut einfach den neuen X3 Film von Alexander Lehmann an. Der ist wirklich gelungen und raubt nicht viel eurer kostbaren Zeit.

“Facebook – Endlich Freiheit für deine Daten!”


[via netzpolitik]

|

… Herr Wachtmeister!
Jaha, immer schön aufpassssen! Ganz besonders im Internet.
Nicht, das da einer etwas Verbotenes tut. Sollte es sich nicht kontrollieren lassen, drücken wir einfach einen Knopf. Hach wie schön wäre das und auch so einfach. Ich kann mir den verträumten Blick der Schreibtischtäter beim Formulieren dieser Idee wahrlich vorstellen. Früher waren es die Ritter, die, in glänzenden Rüstungen auf stolzen Rappen ihr Schwert schwangen, um das durchzusetzen was ihnen geheißen worden war. Dabei waren sie oftmals gnadenlos und hart. Was ist dagegen schon ein kleiner Knopf. das ist ein ... nein kein Karton... ein Resetknopf ;)

Insbesondere, wenn man auf Spon liest:

“Das Internet sei der größte Tatort der Welt, ein digitaler Angriff potentiell so verheerend wie ein nuklearer…”

Nuklearer Angriff? Ein zweites Tschernobyl? Ach du … ahnst es nicht.

Der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen fordert daher, einen Reset-Knopf für das Internet, mit dem das Kanzleramt Deutschland im Ernstfall sofort vom Netz nehmen könne.

Als ich das im ersten Moment hörte, dachte ich wirklich es sei ein Scherz. Einer von der Sorte, die sich irgendwer beim wochenendlichen Chillen und nach dem Konsum von lustigen Substanzen hat einfallen lassen. Leider musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Die Neuzeitritter meinen das ernst. Sogar einen richtigen 15 Punkte Plan haben sie vorgelegt.
Nicht nur auf Spon wird darüber berichtet, auch gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung äußerte sich der BDK ähnlich zum Thema “Kriminalbeamte für Internet-Ausweispflicht”.

Die Kriminalbeamten verlangen auch klare «gesetzliche Befugnisse für offene und verdeckte Ermittlungen im Internet, speziell in sozialen Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ oder Twitter». Zudem solle die Polizei das Recht bekommen, «Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dürfen», die zuvor von Kriminellen unbemerkt gekapert worden seien.

In Anbetracht solch einer Hysterie kann ich wirklich nur mit einem fassungslosen Kopfschütteln den Worten von Constanze Kurz (Sprecherin des CCC) zustimmen, die den Reset-Knopf als “…eine lächerliche Schnapsidee” beizeichnete.

|

Während alle in hiesigen Gefilden unter der Last der Hitze zu leiden haben, wurde anderenorts ein Kälterekord gebrochen. Erstmals nach 29 Jahren sank die Temperatur in der Antarktis auf unter minus 50 Grad, berichtete ntv am Donnerstag.
Bei mir führte diese Meldung dazu, dass ich es umgehend überhaupt gar nicht mehr schlimm fand, dass wir es aktuell so heiß haben. Denn dort würden mich gerade keine zehn Pferde hinbekommen. Selbst die Unterwasserwelt 800px-underwater_mcmurdo_sound der Antarktis, die ich besonders reizvoll finde, könnte mich nicht locken. Zwar würde ich gerne einmal dort tauchen, doch ich fürchte, in diesem Fall müssen virtuelle Einblicke langen.
Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen und schickt es zur Verarbeitung an euer Gehirn: (-)50°C – in Worten: minus 50 Grad Celsius. Umgehend meldet mein Gehirn: Zähne klappern aktiv, Frostbeulen formen – check.
Wie schön ist es doch einfach nur das Problem zu haben, dass man schwitzt.

Passend zu den Nachrichten in dieser Woche fand ich übrigens, dass es in der Antarktis auch eine Poststation gibt. 800px-antarctic-postal-services Wenn ich mir das Bild so ansehe kommen mir allerdings starke Zweifel, ob das dort so funktioniert mit der Post. Zumindest zweifel ich, dass die Briefe die ich dort in das Eis stecke, jemals ihr Ziel erreichen. Nun weiß ich natürlich nicht wie es so um deren Datenübertragung bestellt ist, aber ich nehme mal an, dass die wunderbar funktioniert. Somit wären die Menschen dort ja vielleicht die ersten und möglicherweise einzigen, die das neue Angebot der Post nutzen. Ich finde es großartig, dass die Post nur 0,55 € für einen E-Postbrief möchte. Ob die die Briefe in der Antarktis dann auch ausdrucken und zustellen würden? Welch schönes Bild, wenn ein Postbote sich durch das Eis kämpft für 0,55 €. Ich meine, woanders beißen ihn Hunde, hier ist es nur so ein bißchen Kälte. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

|

Es ist Sommer; nach einem langen, entbehrungsreichen und schneelastigen Winter, einem sich gleichsam in die Länge ziehenden Frühling, ist nun endlich Sommer.
Ist es nicht herrlich, dass das Wetter immer wieder Gesprächsstoff bietet? Scheinbar reden wir gerne über das Wetter. Über den zu kalten Winter, ebenso wie über die Tücken des Frühlings. Mal ist es der Schnee, mal der Regen, der Anlass zum lamentieren bietet.
Doch jetzt ist alles anders, denn jetzt ist Sommer. Naja – nicht ganz, denn die Wetterthemen gehen uns allen natürlich nicht aus. Kaum ein Telefonat beginnt dieser Tage nicht mit Sätzen wie „Ist es bei euch auch so heiß?“ oder „Wie geht es euch und den Katzen in der Dachwohnung. Das muss doch Hölle sein.“
So ist es aktuell zu heiß, zu schwitzig. Ein ‘Ach’ und ‘Weh’ hört man landauf, landab. Ich habe mir geschworen, nicht zu jammern, sondern mich über den lang ersehnten Sommer zu freuen. Daher peitsche ich mich vorwärts und sage mir immer wieder „Der Sommer ist toll, die Hitze ist … welche Hitze?“ Auch wenn meine Haut noch so salzig schimmern mag, meine Haare die Bezeichnung Frisur eigentlich nicht mehr verdient haben; ich bleibe tapfer! Was soll es auch, schon als Baby klebten die 3 Haare, die ich besaß, an meinem Kopf. Dafür schwitze ich eben dann an den unsichtbaren Stellen nicht so … schnell. Aber gut – ich will mal nicht zu sehr über meine Feuchtgebiete schwelgen.
Strandfüße Über die Sommerzeit wollte ich schreiben.
Es gibt Dinge, die unseren Augen in dieser Zeit geboten werden, die diese nicht wirklich sehen wollen. Doch: Hey, wer hat schon die 90,60,90-Figur ohne ein Pölsterchen hier oder unförmige Stellen dort? Ist ja auch kein Problem, zunächst einmal. Aber muss es denn sein, dass Klamotten grundsätzlich zwei Nummern zu klein gekauft werden? Himmel noch mal, ihr Mädels da draußen; habt ihr alle keine Freundinnen? Also wir hätten uns gegenseitig nicht so auf die Straße gelassen. Nun ist mir ohnehin dieses Konkurrenzdenken untereinander fremd, weil ich das mit meinen Freundinnen nie zelebrierte. Wir standen auch immer auf unterschiedliche Typen, was die Lage ungemein entspannte. Der Schwarm der Freundin war stets Tabu. Aber gut; selbst wenn ich mal nicht von mir auf andere schließe, krieg ich das nicht zusammen.
Ich stelle mir vor, ich gehe mit meiner Freundin flanieren. Die Süße hat sich gerade mühsam in ihre 29iger 7/8 Jeans gepresst, obwohl eine 31iger schon eng sitzen würde, ihre – ich nenn sie mal liebevoll – Röllchen zeichnen sich unter dem – natürlich – hautengen T-Shirt ab. Durch die Enge der Hose wirken die Schritte, in ohnehin viel zu hohen Schuhen, plump und ungrazil. Ihre Röllchen bewegen sich bei jedem Schritt in Wellen. Mit dieser Freundin flaniere ich also die Straße längs, vorbei an einem Café, in dem mein Schwarm sitzt. Äaahm – wie peinlich ist das denn? Ich meine, so im Gesamtbild.
Mädels, DAS geht gar nicht! Zieht euch passende Klamotten an, Schuhe in denen ihr laufen könnt und alles wird gut.

Da im Sommer mit steigenden Temperaturen alle Menschen etwas weich im Hirn werden, werden verschiedentlich alltägliche Pflichtgänge zu einer noch größeren Qual. Für mich gibt es kaum etwas Schlimmeres, als einkaufen gehen zu müssen. Ja, ich weiß, ganz untypisch für eine Frau, glauben mir die Männer auch meist nicht, ist aber so. Besonderen Grusel löst der Lebensmitteleinkauf aus. Eine Steigerung erfährt dieses Grauen, wenn ‘durch-die-Hitze-noch-verwirrter-als-sonst-Rentner’ abends ihre Einkäufe erledigen. Es gibt Tage, an denen scheint ein Aufenthalt in den Gängen eines Supermarktes sehr reizvoll, ganz besonders mittig, mitsamt dem Einkaufswagen. Da sich im Alter das natürliche Distanzempfinden zu unbekannten Mitmenschen verschiebt, kann es sein, dass sie einem sehr nah kommen. Spätestens an der Kasse verliert man altersbedingt dann wohl alle Hemmungen. Ich sage euch, so einen Geh- oder Einkaufswagen in die Ferse gefahren zu bekommen, ist schmerzhaft.
Dieser Schmerz entfällt, wenn man die Freude hat, besagten Späteinkaufsrentner vor sich zu haben. Die Perücke ist verrutscht, einzelne silbrige Stähnen luken darunter hervor, der Schweiß rinnt den Nacken entlang. Auf dem Band: eine Tafel Schokolade, die mit den kleinen Einzelstücken, die schon mundgerecht verpackt wurde. Langsam bewegen wir uns auf die Kasse zu. Noch denke ich – naja was soll’s Omi wollte eben auch mal unter Menschen und man versteht doch auch, dass man in manchen Lebenslagen einen Heißhunger auf Süßes entwickeln kann. So bemühe ich mich, mit prosozialen Argumenten meinen Ärger weg zu atmen. Doch anstatt einfach nur zu bezahlen, kommt es wie immer. Omi sucht mit zitternder Hand in ihrem Kleingeldfach nach den passenden Münzen. Sie legt ein 2Cent-Stück auf den Tresen, noch eines und sucht und sucht. Es dauert. Ich will nach Hause. Ich atme, rede mir gut zu. Omi gibt das Suchen auf, schüttet geradezu schwungvoll ihr gesamtes Kleingeld auf den Tresen, mit der Aufforderung in Richtung Kassiererin „Machen sie mal“. Ich denke noch, na super, dann geht das ja mal voran. Vermutlich war es die schnellere Lösung, auch wenn es noch eine Weile dauert, bis Omi das Restgeld wieder im Portemonnaie verstaut hat und selbiges mitsamt der Schokolade in ihrer Handtasche verschwunden ist. Erst dann, keinen Moment vorher, wird sich langsam umgedreht und der Kassenbereich geräumt.

Eine Seite des Sommers, die ich ebenso herrlich finde ist: Bahn fahren. Im Grunde ist es auch ohne hitziges Wetter spaßig genug, was man im ÖPNV so erleben kann. Doch bei dieser Witterung? Es ist einfach unschlagbar. Allein die Geruchsexplosionen denen man ausgesetzt ist, sind einzigartig. Grenouille – als Parfumeur- hätte sicher seine Freude daran.
Ganz aktuell kann ich folgenden Schnappschuss erzählen:
Eine schwer schnaufende Frau schleppt sich, in extrem gebückter Haltung, gerade noch rechtzeitig in die U-Bahn. Ächtzend stößt sie die Worte „Bitte machen sie Platz!“ aus, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen und lässt sich auf den nächstbesten Sitz fallen. Sie atmet derart stoßweise, dass andere Fahrgäste ihr schon besorgte Blicke zuwerfen. Blicke die fragen: ‚Sie wird doch wohl nicht jetzt und hier …?’
Mit einer zuckenden Bewegung ihres Armes fordert sie einen Jüngling auf, die einzige offene Luke zu schließen. Dieser reagiert folgsam. Das wiederum war das Startsignal für die schwitzende, adipöse Matrone, auf dem angrenzenden 4er Sitz. Man hätte ihr das behände Aufspringen gar nicht zugetraut. Und schon schimpft sie los: „Nein, also so geht das gar nicht!“, ruft sie aus, während sie die Luke wieder öffnet. „Sie sind hier nicht alleine. Dann müssen sie sich woanders hinsetzen.“ Ihr Ton ist bestimmend.
„Aber ich kann doch nicht.“, jammert die Alte.
„Oh doch! SIE können!“, funkelt die Matrone und redet weiter: „Ich bin Krankenschwester der Chirurgie. SIE müssen nur mal zu einem Spezialisten. SIE können!“
„Aber ich war doch schon beim Arzt.“, entgegnet die Alte.
„SIE können und sie müssen nicht so laufen. ICH weiß von was ich rede. Ich bin Krankenschwester. Gehen sie zum Spezialisten und lassen sich operieren. Ich seh’ genau was sie haben. Da gibt es Spezialisten für.“
„Aber ich wurde doch schon operiert”, jammert sie weiter, wenngleich ihre Stimme langsam kräftiger wird.
„Dann müssen sie eben noch einmal hin!“, entgegnet die Matrone, keinen Widerspruch duldend. An diesem Punkt musste ich die Bahn verlassen. Der eingekeilte Jüngling schaute grinsend und irgendwie neidisch hinterher. Auch er wäre wohl lieber ausgestiegen.

Im Sommer findet das Leben allgemeinhin ja mehr auf den Straßen statt. Das gilt besonders abends, wenn alle ihre Fenster öffnen und sehnsüchtig nach einem Luftzug heischend, ihre Balkone bevölkern oder sich in ihre Fenster setzen.
Auch die Geräusche sind im Sommer andere.
In der Großstadt sind es eben nicht die zirpenden Grillen, sondern das Gebrummel und Gesumme der Stimmen aus der Nachbarschaft, knatternde Motorroller, Autoverkehr. Erst spät wird es ruhiger in solch einer Sommernacht.
Oft verändert sich mit der kühler werdenden Luft die Geräuschkulisse. Sanft erklingt das Schnarchen des Nachbarn aus der Wohnung schräg gegenüber. Laut genug, dass man sich darüber freut, die Nacht nicht neben ihm verbringen zu müssen.
In den Hinterhöfen wirken die einzelnen Fenster fast wie die Teile eines Schlagzeugs, die unterschiedlich geschlagen werden. Die Liebesgeräusche der sexuell aktiven Pärchen hört man im Wechsel. Sind die einen fertig, beginnen die anderen. Hier und da flimmert ein Fernseher. Verschiedene Musikstile mischen sich miteinander. Schlager paart sich mit chilligen Elektrorhytmen und mittendrin jauchzt Michel Jackson.

Und dennoch, ich liebe den Sommer. All’ das ist Sommer. Ich liebe die Wärme, die Sonne, die die Seele streichelt und auftankt.
Alles fühlt sich freier an.
Die Klamotten sind leicht und kaum spürbar. Wenn einem danach ist, packt man die Sachen und fährt Baden. Sport macht draußen ebenfalls viel mehr Spaß als in stickigen Muckibuden.
Es ist so lecker Gegrilltes zu essen oder das viele Obst, die Salate, die man saisonal kaufen kann.
Ja so muss das sein!
Ich bin ein im Sommer geborenes Kind, vielleicht rührt daher meine Affinität. Meine Wohlfühltemperatur liegt bei 25 Grad Celsius. Das trägt immer wieder zum Amüsement meiner Mitmenschen bei. „Ah sie hat Gänsehaut. Was sagt das Thermomenter?“ „24,5 Grad?“ „Ach nein, was ihr nicht sagt!“

In diesem Sinne: genießt den Sommer. Verschließt eure Nasen, wenn es zu arg wird oder senkt den Blick. Es gibt so viel Schönes zu sehen, zu schmecken und zu riechen.

|

Auch heute trieb die allgegenwärtige Hitze ihr Unwesen in meiner Timeline. Oft musste ich schmunzeln, manchmal lachen und andere Male dachte ich nur kichernd “gnihiii – ja genau, das kenne ich, genau so ist es”.
Anstatt eines Hitze-ff’s oder einen Retweet nach dem anderen los zu schicken, dachte ich, ich sammel mal. Hier nun meine Auswahl für den heutigen, sehr heißen und zeitweise drückend-schwülen Tag.

Sie brachte mich als Erste zum Lachen heute Früh:
wurstegal

Die Hitze gab es nicht nur in Hamburg zu spüren…
frau_elise

Ob wohl der ein oder andere neidvoll an sie dachte?
victoriahamburg

Überall hatte sie eines gemein…
ingapopinga

Manches Mal ging sie einher mit diesen technischen Hürden…
ruhepuls

Oft kam es zu Nebenwirkungen die sich auswirkten
muermel
muermel2

vittenko

Viele gaben sich Träumereien hin
elfenkind

andere wurden selbst aktiv
weiszklee

retteten ihre Kinder
textzicke

philosophierten
muserine

oder hatten Visionen
partvision

einer sogar im Bordbistro
brandnewwelt

Es gab aber auch die, die sich heldenhaft durch den Alltag kämpften. Sicher verhinderte nur das Schreiben eines Tweets in solchen Fällen spontan auftretenden Augen- und/oder Nasenkrebs.
scherzinfarkt

Bestimmt hofften einige auf ein erlösendes Gewitter. Wer in diesem Fall wohl gewann?
litchi7

Am Ende bleibt nur zu sagen
elbpoet

|

Wer kennt noch Mr. Oizo?

Braucht ihr, bei den Temperaturen noch eine Alternative zum Ventilator? Nehmt einfach auch den Fön, wenn er denn eine Kalttaste hat.
mr-oizo2_

Als wir gestern spät noch auf Balkonien saßen, chillige Elektrorhytmen aus der Anlage plätscherten, erinnerte ich mich an Mr. Oizo. Es ist schon ein paar Jährchen her und doch so passend zu dieser Jahreszeit. Er macht einfach gute Laune und mal ehrlich: kaum einer kann so schön headbangen wie er! ;)

|

Ältere Beiträge »